11.12.2021

Rezension von Reitschuster.de zum Roman "Die Glaskugel"

Die Geschichte setzt im AuDie Glaskugelgust des Kriegsjahres 1942 mit einer Zugreise an, von der Passagiere lediglich wissen, dass sie irgendwann beendet sein würde. Ähnlich hört sie auf: Der deutsche Historiker Rotbart, dessen Werdegang die Entwicklungen in Deutschland, Polen, der Ukraine und Russland zum Plot des Romans gleichsam zusammenschweißt, steigt im August 2016 in den Zug ins Ungewisse ein. Für solche Reisen braucht man Hoffnung. Diese ist jedoch so brüchig wie die Glaskugel, der die aus dem Osten Europas kommenden Helden des Romans ab und zu begegnen.

Vor 1989 hätten der Westen und der Osten nicht unterschiedlicher sein können: Auf der einen Seite das biedere Glück, die Billigkeit sowie die bunt übermalte Langweile der Bundesrepublik, auf der anderen Seite die Tragik und Absurdität der zerkratzten, grauen Wirklichkeit des kommunistischen Ostens, in dem scheinbar alle vom westlichen Wohlstand und Lebensstil träumten.
Nach dem Kommunismus bestimmt im Osten Geld, wo es langgeht, und insofern ähneln sich die östlichen Lebensläufe immer mehr den westlichen. Auch im Osten baut Erfolg auf dem Verrat eigener Ideale auf. Die Karrieren des Geschichtsprofessors Rotbart und seines Intimgegners Udo Zenobius sind für diesen Lebensstil insofern symptomatisch, als beide vom Wunsch nach Bestätigung und Anerkennung getrieben werden. Der von seinem Beruf enttäuschte Rotbart übt sich in Machtspielen mit Frauen, während der Politiker Udo in der echten Machtausübung aufgeht.
Eine wichtige Message des Romans, dass Menschen nach Macht streben, weil sie zur Liebe unfähig sind, würden diejenigen am liebsten überhören, die wie Udo Zenobius daran glauben, dass die „freiheitliche Ordnung der Bundesrepublik“ aus den Deutschen bessere Menschen gemacht hat. Rotbart (offenbar dem Buchautor ähnlich) kann darüber nur lachen.
„Die Glaskugel“ ist also ein Roman über Hoffnung und Macht. Die Leser stellen fest, wie sehr sich die Macht in der langen Friedenszeit verändert hat. Der Onkel von Udo Zenobius, der im Sommer 1942 in der SS-Uniform die Passagiere des eingangs erwähnten Zuges im Vernichtungslager Bełżec begrüßte, hatte noch die Macht, mit seinem Browning fast jeden umzubringen. Demgegenüber knapp zwei Generationen später leidet Udo darunter, nicht in der Position zu sein, die Karriere seiner Mitarbeiter ruinieren zu können.
„Die Glaskugel“ ist aber auch ein Roman über den Kommunismus und den „Spuk“, den er hinterließ. Den Lesern wird nach der Lektüre bewusst, dass in jeder Gesellschaft nicht nur der Frieden, sondern auch das System Unterschied macht. Der russische Offizier Grigorij, eine der zentralen Romanfiguren, lebt in der Sowjetunion gut, sogar sehr gut. Er hat aber dennoch stets mit der Angst zu tun, weil er von seinem Gönner, dem Oberkommandierenden der Warschauer-Pakt-Staaten, fallen gelassen werden könnte. Mit seiner Bindung an den Marschall der Roten Armee stellt Grigorij einen Kontrapunkt zu Rotbart dar, der seinen Aufstieg im System der bundesdeutschen Universitätswelt eigenständig meistert. Selbst die Tatsache, dass Udo Zenobius es nicht schafft, sich von seinem politischen Zugpferd Gerhard Schröder zu emanzipieren, illustriert letztlich die Autonomie und Freiheit des Einzelnen im westlichen System.
Nach dem Kommunismus bietet der europäische Osten einigen Romanhelden schier unbegrenzte Aufstiegschancen. Sowohl Grigorijs strebsame Tochter, in der die Leser Julia Tymoschenko erkennen mögen, als auch eine polnische Liebhaberin von Rotbart verdienen mit ihren wirtschaftlichen Aktivitäten binnen weniger Jahre hunderte Millionen Dollar. Die Kehrseite ihres Erfolges stellt allerdings die geistige Leere dar, die der Verzicht auf eigene Ideale nach sich zieht. In Polen trägt diese Selbstverleugnung zum Hass der Neureichen auf diejenigen Politiker bei, die versuchen, die neue Ordnung gerechter zu gestalten.
Der Autor von „Die Glaskugel“ ist geschichtsversessen. Für diese Einschätzung spricht jedenfalls die Tatsache, dass er sich zutraut, die hinter verschlossenen Türen geführten Gespräche der bekannten Politiker – die er unter Decknamen auftreten lässt – zu „rekonstruieren“. Dank diesem Wagnis erfahren die Leser, wie sich der polnische Parteichef Jaruzelski sich der sowjetischen Führung unterwarf. Oder sie lernen Gorbatschows Beweggründe für Reformen, die er im Frühling 1987 in einem mit dem besagtem Marschall geführten Gespräch über Perestrojka verriet. Sie wohnen zudem der seltsamen Begegnung von Wladimir Putin und Gerhard Schröder in einer Petersburger Sauna bei. Ein Jahr später sind sie dabei, als sich Lech Wałęsa, Jarosław Kaczyński und Tadeusz Mazowiecki darüber zerstritten, wann man denn den Staatspräsidenten Jaruzelski absetzen sollte. Schließlich lauschen die Leser dem Monolog eines Staatssekretärs in der Regierung der Großen Koalition, der in einem vertraulichen Gespräch mit Zenobius im August 2015 die Gründe für die Öffnung der deutschen Grenzübergänge für hunderttausende Migranten offenlegte.
Die politische Küche vermischt Mayer mit dem zuweilen tragischen, oft dramatischen und ab und zu langweiligen Alltag seiner Protagonisten. Er nimmt seine Leser nicht nur nach Bełżec mit, sondern auch im August 1982 in den Kriegszustand nach Polen. In Posen finden sie sich auf einer antikommunistischen Party zusammen, bei der infolge der sozialistischen Versorgungsengpässe ausschließlich geräucherte Makrele, Brot und Sauergurken, reichlich begossen mit Wodka, serviert werden. Mayer zeigt ihnen nicht nur die Arbeitsmethoden und Denkweisen der Funktionäre des kommunistischen Sicherheitsdienstes, sondern auch die akuten Gefährdungen der Pressfreiheit in der Bundesrepublik, ebenso im Jahre 1982 wie im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrtausends. Er lässt die Leser an der Erhabenheit und der Trauer des ukrainischen Majdans 2014 teilhaben. Er veranschaulicht ihnen den Untergang der männerdominierten Sexualität, indem er seine weiblichen Figuren sowohl in frivolen Gesprächen als auch beim Intimverkehr Initiative ergreifen lässt.
In den gut 120 kleinen Unterkapiteln versetzt uns „Die Glaskugel“ in die längst vergessene Welt, in der es keine Handys und keine sozialen Medien, dafür aber geschlossene Grenzen und im Osten Europas unlösbare Probleme mit Telefonanschlüssen gab. Diese Welt war zwar langsam, aber keineswegs weniger dynamisch als die von heute. Die geschichtsträchtige Dynamik der vergangenen Langsamkeit ermahnt uns: Auch die heutige Zeit lässt sich nicht kontrollieren. Nach wie vor befinden wir uns auf einer Zugreise, die ins Ungewisse führt. „Die Glaskugel“ liefert zum melancholischen Nachdenken Stoff in Hülle und Fülle.
Die Themen des Romans sind also zahlreich: Hoffnung, Macht, europäische Geschichte, Leben im Osten und Westen, Melancholie. Aber auch an der handwerklichen Vielseitigkeit dieses Buchs, das Passagen des Sozial-, des Liebes- und des Phantasieroman Romans enthält, sich zudem zuweilen als politischer Thriller oder von Ironie durchtränkter philosophischer Monolog liest, haben die Leser ihren Spaß.
Es besteht kein Zweifel daran, dass „Jan Mayer“ ein Pseudonym ist. In der Autorennotiz wird vermerkt, dass er „unter anderen Namen“ in wichtigsten deutschen Zeitungen publizierte.
Wer versteckt sich hinter dem Decknamen?
Wer den Roman gelesen hat, wird wahrscheinlich zum Schluss kommen, dass „Die Glaskugel“ vom Autor des Umschlagfotos verfasst wurde, das jedem, der in die Nähe des Buchs kommt, ins Auge springt.
Der Roman „Die Glaskugel“ von Jan Mayer ist 2021 im Verlag LIT-literarisch erschienen. Er hat 714 Seiten und kostet 29,90 €



27.11.2021

"Die Ostgrenze der EU und das deutsch-polnische Verhältnis"



>Haben Sie vielen Dank für Ihre Mail und Ihren spannenden Text: Den Blick auf die Rolle der polnischen Opposition finde ich sehr originell, den Text würde ich gerne in den nächsten Tagen bei uns bringen.
 
Herzliche Grüße!<


Diese erfreuliche Nachricht habe ich vor zwei Wochen von "Die Welt" erhalten.


Eine Woche später erhielt ich die Nachricht von der gleichen Redaktion die folgende Nachricht:

 

>Vielen Dank für Ihre Erinnerung. Nein, der Text war nicht vergessen, keine Sorge – aber wir sind leider so ein bisschen von der Aktualität überrollt worden. Wir waren mehrfach schon kurz davor, Ihren Text einzuplanen, aber dann kam immer in letzter Sekunde etwas dazwischen, und nun haben wir so viel Berichterstattung dazu gehabt, und parallel hat sich die Situation an der Grenze gottlob etwas entspannt, dass ich nun leider doch auf Ihren Artikel verzichten möchte. Ich bitte vielmals um Verzeihung, das war so nicht geplant. 

 

Beste Grüße!<

 


Nun der besagte Kommentar: 


Der tückische Angriff auf Polen, Litauen und Lettland, den Wladimir Putin in Zusammenarbeit mit Aleksandr Lukaschenka durchführt, erfordert Plan, immense Logistik und Einsatz großer Ressourcen. Seinen gewagten Plan hätte Putin nicht verfolgt, wenn er für sein Ziel, die Europäische Union dazu zu zwingen, den belarussischen Wahlbetrüger und Unterdrücker seines Volkes anzuerkennen und für die Lösung des künstlich geschaffenes Migrationsproblems zu zahlen, keine Chancen erkannt hätte.

 

In einem Punkt ist sein Plan aufgegangen, nämlich in der Erwartung, dass die polnische Opposition als eine beträchtliche Kraft agieren würde, die die Lage an der Grenze dazu nützen würden, die eigene Regierung zu stürzen. Bereits im August fiel sie dem polnischen Grenzschutz in den Rücken. 

 

Oppositionelle Politiker, NGOs und Journalisten zogen an die Grenze zu Belarus, um zu beweisen, dass die Regierung „Flüchtlingskinder“ verhungern und verdursten sowie „schwangere Flüchtlingsfrauen“ im Freien gebären lässt, als trüge sie dafür Verantwortung, was auf der belarussischen Seite der Grenze geschieht. In den oppositionellen Medien – das sind die meisten in Polen – wurden die Grenzschützer, die an die Grenze abkommandierten Soldaten sowie Polizisten zuweilen als „Mörder“ und „Schande für das Land“ beschimpft. Dieser Rhetorik schloss sich medienwirksam der Großteil der polnischen Prominenten an, die von jeher die PiS bekämpfen.

 

Vor ihrer Machtübernahme im Jahre 2015 hatte allerdings auch die PiS keine Fähigkeit gezeigt, in einer Demokratie oppositionelle Arbeit zu betreiben. Statt sachliche Kritik zu üben und ein alternatives Regierungsprogramm zu entwerfen, beschränkte sie sich ein knappes Jahrzehnt lang darauf, die schwache Regierung von Donald Tusk als „unpatriotisch“ zu verunglimpfen. Sie deutete sogar an, dass der miserable Premierminister zusammen mit Putin für den Absturz des polnischen Regierungsflugzeuges am 10. April 2010 verantwortlich gewesen war, in dem u.a. der Staatspräsident Lech Kaczyński umkam.

 

2014 überraschte die PiS jedoch: Sie entwickelte ein tragfähiges Reformprogramm und stellte für die Wahlen im kommenden Jahr neue, unverbrauchte Kandidaten auf. Dann gewann sie überraschend die Präsidentenwahlen und gewann die absolute Mehrheit im Sejm zu gewinnen. Das war kein Ende der Überraschungen.

 

Denn die von der PiS dominierte konservative Koalitionsregierung hielt darüber hinaus als die erste im postkommunistischen Polen ihre Wahlversprechen ein, weshalb das Gerede von der „Glaubwürdigkeit in Politik“ in Polen nicht mehr Achselzucken und hervorruft. Die Regierung etablierte Sozialpolitik im Lande und sorgte für exzellente Wirtschafsentwicklung. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern stellte sie sich außenpolitisch konsequent gegen die Zusammenarbeit von Angela Merkel und Wladimir Putin (Nordstream 2) und – das ist für Polen am wichtigsten – erreichte eine beträchtliche Aufstockung der amerikanischen Militärpräsenz im Land. Obwohl einige ihrer innenpolitischen Reformen – besonders die seit 1989 fällige Umwandlung der maroden Justiz – ins Stocken geraten sind, haben sich die Regierungen von Beata Szydło und Mateusz Morawiecki als die erfolgreichsten und professionellsten im postkommunistischen Polen erwiesen. 

Trotz des Konflikts mit Deutschland stand für die Regierung Morawiecki die Option, die muslimischen Migranten, die bekanntlich in Polen nicht bleiben wollen, nach Deutschland durchzuwinken, niemals zur Debatte. Vielmehr reagierte sie auf die von Putin und Lukaschenka herbeigeführte und von der polnischen Opposition verschärfte Krise entsprechend dem europäischen Interesse am Aufhalten des Migrationsstroms: Ungeachtet des massiven Geschreis der Medien verhängte sie den Ausnahmezustand in den grenznahen Ostregionen des Ostens, sperrte die unmittelbare Grenzzone ab und baute im Juli im atemberaubenden Tempo provisorische Grenzbefestigungsanlage von 180 km Länge. Seitdem drängt sie die illegalen Grenzübertreter zurück.

 

Bis heute findet die polnische Regierung in der Opposition einen Feind. Diese verliert aber mit jedem Tag der Krise die Unterstützung in der Bevölkerung, weil selbst ihre Anhänger zu verstehen beginnen, dass den Politikern und Donald Tusk Polen und die EU weniger wichtig sind als die Rückkehr an die Macht.

 

Erst wenn sich diese Anhänger zu fragen beginnen werden, warum die Regierungen Merkel, Donald Tusk und die EU-Kommission die von der PiS angeführten Regierungen hartnäckig bekämpfen, wird es eine Aussicht auf die Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen geben. 


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31.10.2021

Kein Neuanfang der CDU nach den Wahlen. Erosion schreitet voran

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Ob sich die Partei der alten und der sehr alten Männer - die CDU - von ihrer Wahlniederlage erheben wird, ist ungewiss. Dazu braucht sie nicht nur die augenblicklich viel beschworene Disziplin, sondern vor allem einen Geist. Es war früher der konservative, besonnene, in wirtschaftlichen Fragen kompetente Geist der deutschen Christdemokratie. Diesen hat diese mittlerweile einzig auf Opportunismus eingeschworene Truppe heute wahrscheinlich noch weniger als die SPD, die nur dank ihrem rachitischen Wahlsieg (sie hat gewonnen, weil die anderen im Wahlkampf nichts/niemanden oder kaum etwas/kaum jemanden anzubieten hatten) ihren Untergang aufgehalten hat.
So schreitet die Erosion des deutschen Parteiensystems voran, während sich alle an der überraschenden Parteienkoalition ergötzen (und die Naivsten sogar einen dynamischen "Neuanfang" erhoffen).
Übrigens: Interessant die Bemerkung im unten geposteten Kommentar: "Generalsekretär Paul Ziemiak hat eine >brutal offene< Fehleranalyse versprochen. Gut so. Die muss es auch geben." Diese Bemerkung verrät die politische Nähe der Journalistin zum Gegenstand ihrer Analyse. Schwach.

https://www.faz.net/aktuell/politik/mitgliederbefragung-der-cdu-droht-grosse-unruhe-17610829.html?fbclid=IwAR0mOW2QkJSZq-E4vpg5-uikSzbC4w2w8_6yUWOTEXr70_HB7MaPocYq6-U

21.10.2021

Vorrang des (nationalen) Verfassungsrechts in der Europäischen Union

Die zentrale Frage der EU ist die Frage der Souveränität, die eng mit der Demokratie zusammenhängt.

Bis heute ist die EU kein Souverän (kein Staat). Der Versuch, sich ihm auf Umwegen - über die Verabschiedung einer "Verfassung" - anzunähern, scheiterte an Referanden in Frankreich und Niederlanden.

Da die EU kein Staat, sondern bloß eine Vertragsgemeinschaft ist (eine Gemeinschaft von Staaten, die sich vertraglich auf Übertragung bestimmter Kompetenzen auf die Union geeinigt haben), haben die Verfassungen selbstverständlich Vorrang vor dem Unionsrecht auf allen Gebieten, die nicht durch die Unionsverträge geregelt sind.

 

Die Verfassungen bleiben auch deshalb die Urquelle des Rechts der Mitgliedsstaaten und haben grundsätzlich Vorrang vor dem EU-Recht, weil die Übertragung der oben erwähnten "bestimmten Kompetenzen" auf die EU nur im Einklang mit der jeweiligen Verfassung des Mitgliedstaates erfolgen durfte.

 

Beim Vorrang der Verfassung vor dem Unionsrecht geht es um Prinzip. Dieses wird verletzt unabhängig davon, ob sich die EU über die im deutschen Grundgesetz festgeschriebene Norm der Geldstabilität oder die in der polnischen Verfassung festgeschriebene Norm, dass die polnische Justizordnung vom Sejm (polnischen Parlament) verändert werden darf, hinwegsetzt.


Die Professoren, auch Jura-Professoren, die in den Medien das Gegenteil davon behaupten, stellen eine Schande für die Wissenschaft dar. Wie die Journalisten, die die gleiche Unwahrheit verbreiten, eine Schande für ihren Berufsstand darstellen.

 

Nur wenn die EU zu einem demokratischen, föderalen Staat umgewandelt wird, und zwar durch  Reformen, die im jeweiligen Mitgliedsland auf verfassungskonformen Weg bestätigt (ggf. durchgeführt) werden, wird man sagen können, dass das EU-Recht Vorrang vor dem nationalen Recht hat. Selbst dann aber wird man hinzufügen müssen: "Im Rahmen der Kompetenzen, die die Nationalstaaten auf den souveränen europäischen Bund übertragen haben", etwa - was wünschenswert wäre - auf dem Feld der Sicherheit.


Nur wenn die Union in diesem Sinne reformiert wird, wird sie eine Demokratie werden.


Augenblicklich stellt sie eine vertragsbrüchige Organisation dar, die von Deutschland, das seine Vorherrschaft im Sinne der nationalen deutschen Interessen auslebt, geführt wird. Diese Vorherrschaft wird zumindest geschwächt, nachdem wir eine Regierung bekommen, die wesentlich schwächer als die der Großen Koalition sein wird. 


Vielleicht dann werden die Medien und die Politik in Deutschland über notwendige Reformen der Union - Demokratisierung (europäische Staatsbildung) oder bessereVertrage - sprechen. 


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15.06.2021

Die unwichtigen "sowjetischen Gefangenen" bzw. "Bolschewisten"

 Der Bundespräsident sprach am 14. Juni über 300 000 sowjetischen Verstorbenen in einem Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Der höchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland ist es sich offenbar zu fein, um in diesem Zusammenhang 

  1. die Nationen aufzuzählen, die unter die Kategorie "sowjetisch" fallen. Der Bundesrepublik hat es nämlich niemals daran gelegen, diese Menschen nicht allesamt als "die Russen" erscheinen zu lassen: also sie wahrheitsgemäß auch als die Ukrainer, die Belarussen, die Kasachen, die Tataren, die Juden usw. zu benennen (Adolf und Joseph haben es auch nicht darauf geachtet, welcher nationalen Gruppe diese "Bolschewisten" angehören mögen). Gleiches Feingefühl war zudem für die in "Osteuropa"-Fragen ungebildeten Untertanen des Dritten Reiches, aus denen später die Bürger der Bundesrepublik und ihre Nachfahren geworden sind, charakteristisch.
  2. den Sachverhalt zu erwähnen, dass die deutsche Führung des Dritten Reises (die in der freiheitlichen Bundesrepublik seit einigen Jahren konsequent "die Nazis" genannt wird) zwischen Herbst 1941 und Frühling 1942 gezielt DREI MILLIONEN "sowjetische Gefangene" im freien Feld hinter dem Stacheldraht ohne Nahrung verhungern ließ.

Die Bundesrepublik hat in ihrem eigenen Selbstverständnis die Geschichte "bewältigt". Das hat sie sicher auf ihre Art und Weise getan. Der Bundespräsident, der sein Sakko ganz unter zuknöpft, trug am 14. Juni dazu noch nachträglich seinen Beitrag bei.

Mit der "Bundesrepublik" meine ich am wenigsten "die Politiker" bzw. die "höchsten Repräsentanten der deutschen Nation, sondern vielmehr die so genannte Zivilgesellschaft, die, arrogant und nicht gerade in der eigenen Geschichte ausgewiesen, sich für besonders moralisch (heute heißt es "an die europäischen Werte gebunden") hält.

Nationen sind zwar wichtig, aber die Wahrheit ist wichtiger. Die Nationen können in Lüge leben und daran glauben, die Wahrheit zu kennen.Die schnelle Bestellung von "Die Glaskugel" "Die Glaskugel" bei amazon

05.05.2021

Ende der Lügen über die PiS?

 Gestern gab es im polnischen Sejm eine historische Abstimmung in der Sache des europäischen Pandemie-Fonds. Die Linke hat die PiS unterstützt. Wohl bemerkt: In der Linken gibt es Postkommunschnelle Bestellung vonhttp://jerzy-mackow.blogspot.com/2021/12/httpsreitschuster.html sten, Neomarxisten, Libertäre, LGBT -Kreise und Ökologen. 

Der Verlierer der Abstimmung ist die Partei Bürgerplattform (PO), die früher von Donald Tusk angeführt wurde und aus Deutschland massivst unterstützt wird.


Es ist das erste Mal, dass die PiS, die mit ihren Koalitionspartnern zerstritten ist, vom Großteil der Opposition als koalitionsfähig gesehen wurde.


Die Zeit der massiven Lügen über die PiS in Polen und im polnischen Ausland geht langsam vorbei. Die (wenn auch heute nur vergängliche) Allianz mit der Linken demonstriert anschaulich, dass die Partei von Dr. Jaroslaw Kaczynski nicht homofob, antieuropäisch und reaktionär ist. Es ist eine konservative Partei mit dem (in meinen Augen zu starken) sozialen Touch und dem (erfreulichen) Sinn für Souveränität (da die Polen erst lernen, was es bedeutet, den eigenen Staat zu haben, ist dieser dort nur sehr schwach ausgeprägt).


Jetzt können wir uns zurücklehnen und beobachten, wie die Lügner in den deutschen Medien im Laufe dieses Jahres - besonders interessant wird die Zeit nach den Bundestagswahlen sein - ihre Einstellung zur PiS Schritt für Schritt ändern werden. Mit anderen Worten: Wir können beobachten, wie sie von einer Lüge zur anderen übergehen werden. 

22.04.2021

"Liberalismus" und Unfreiheit

 Dafür, was ich in der Gruppe Multiplikatoren auf FB poste, wurde ich auf dem gleichen Portal in den letzten so fünf bis sechs Jahren von drei Journalisten "entfreundet". Ein Historiker kam hinzu, diesmal wegen eines Kommentars, in dem ich ihn gefragt habe, ob er eine alte Frau, dessen Vater er in einem (wissenschaftlichen) Buch grundlos als Zuträger und Dieb verunglimpft hatte, anrufen werde.

Diese vier Intellektuellen trage die Fahne eins falschen Liberalismus hoch. offenbar ohne darüber Kenntnis zu nehmen, was "liberal" und Liberalismus tatsächlich bedeuten. Diese Ignoranz teilen sie mit unzähligen anderen in der Öffentlichkeit stehenden menschen, die sich zum gleisen "liberalen Lager" dazu rechnen.

Was bedeutet also "liberal" heute?

Offenbar Ignoranz.

Offenbar Opportunismus. Wenn man sich zu etwas bekennt, ohne zu wissen, was es bedeutet, liegt die Vermutung nahe, dass man dem Anpassungsdrang folgt.

Offenbar Intoleranz. Wer freiwillig zur Zensor-Schere greift, ist weniger tolerant als ein Berufszensor.

Wir wissen seit Aristoteles, dass Ideen die Keime ihres Gegensatzes in sich tragen. Aus dem degenerierten Liberalismus, der ursprünglich auf der Idee der Freiheit aufbaut, kann folglich Unfreiheit werden.

In unserer Gesellschaft leisten Ignoranz, Intoleranz und Opportunismus der Unfreiheit Vorschub.Dieses Phänomen gab es im verkraftbaren Ausmaß im Wester, der eine Zivilisation der Freiheit ist, immer. Heute droht es, den Westen zu zerstören.

Verloren haben wir aber noch nicht. Was sind schon vier narzisstische Eierköpfe in fünf oder sechs Jahren? Gefährlich für Freiheit sind sie nur deshalb, weil sie laut sein können.

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16.04.2021

Trumpismus in Deutschland?


 

 

„Trumpismus“ wurde gestern bei Markus Lanz der Erfolg von Markus Söder genannt, der bei einer Fraktionssitzung der CDU Armin Laschet herausgefordert hatte. Die Abgeordneten der CDU hätten ihren vor Kurzem gewählten Parteichef und gerade als Kanzlerkandidaten nominierten Vorsitzenden verraten und den charakter- und prinzipienlosen, ausschließlich machtorientierten Bayer unterstützt, weil sie im Falle der Niederlage von Laschet um ihre Mandate fürchteten, so unisono der Moderator und ein von ihm eingeladener SPIEGEL-Journalist.

Ziemlich verlogen oder oberflächlich diese Argumentation. Vielleicht haben aber die Herren bereits begonnen, Söder zu demontieren, weil sie auf einen grünen Kanzler hoffen? 

Verlogen ist die Empörung über die moralische Qualität des bayerischen Ministerpräsidenten und der CDU-Abgeordenten. Söder hat nicht weniger Charakter und Prinzipien als die politische Ikone der deutschen Medien, die „Anführerin der freien Welt", die nach Worten eines bayerischen Putin-Verstehers Ramsauer bei der geschmacklosen Veranstaltung im Bundestag schweigend zuschaute, wie der von ihr noch vor Wochen unterstützte Laschet demontiert werde, als würde sie hoffen, dass der ausgebrochene Konflikt dazu führen könnte, dass sie gebeten werden würde, weiter zu machen. Was die Abgeordneten der ehemals christlich-demokratischen Partei angeht, so braucht man beileibe keine Sitzung mit Söder, um zu wissen, dass die meisten von ihnen seit – sagen wir so – anderthalb Jahrzehnte nicht den Idealen Konrad Adenauers, sondern dem Opportunismus huldigen.

Aber diese Fragen sind unwichtig. In Politik zählen die Tatsachen, nicht Wahrnehmungen oder angebliche Empörung der Meinungsmacher. Insofern ist die erwähnte Oberflächlichkeit der Herren Journalisten wichtiger.

Deutschland hat nicht deshalb gravierende Probleme mit Demokratie, eine katastrophale Regierung und die feste Aussicht auf eine noch schlechtere Führung, weil hierzulande der „Trumpismus“ triumphiert (in diesem Land gibt es keinen einzigen Politiker, der außerhalb der Politik richtig erfolgreich gewesen war, bevor er Regierungschef wurde). Nein. Die deutsche Demokratie ist krank, weil jene politischen Parteien, die sie einst aufgebaut haben, in eine neue Erosionsphase eingetreten sind. Mit der Ausnahme der FDP stehen sie zu nichts mehr außer Macht und Geschwafel über die schöne Welt, die vor Staubpartikeln und Atomkraft gerettet werden solle. Und das parlamentarische System kommt – im Gegensatz zum Präsidentialismus – ohne echte politische Parteien nicht auf Dauer aus.

Da weder von den Wählern samt der selbstgefälligen Zivilgesellschaft noch von den Medien samt den selbstgefälligen Journalisten noch von der gedanklich sehr schlichten Gauland-Weigel-Opposition das Aufhalten des Parteiensterbens ausgehen kann, wird die Krise der deutschen Demokratie noch lange dauern. Ob sie überhaupt überwunden werden wird oder ob auf ein nicht-demokratisches System zusteuern, ist ungewiss. Gewiss ist nur, dass wir im Herbst keine bessere Regierung bekommen werden. Und auch keinen Trump. 


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06.04.2021

Jan Mayer: Unsere Chefin und wir

  


 

Vor Jahrzehnten, als noch in jedem Büro ein Faxgerät und ein Computer mit einem winzigen Monitor standen und niemand das Wort „Pandemie“ kannte, kam sie zu unserem Unternehmen. Ihr kleiner Betrieb ging als Teil einer untergegangenen Holdingmasse bankrott und deshalb samt seinen Beschäftigten zu uns. Wir freuten uns alle, zusammen zu sein.

 

Ihr erster Betrieb war seltsam. Obwohl er für schlechte Arbeitsorganisation, Produkte minderer Qualität und niedrige Löhne bekannt war, mussten alle Beschäftigten erzählen, dass sie sehr zufrieden sind. Selbst Kinder durften über die Arbeitsstätte ihrer Eltern nur Gutes sagen. Ihr gefiel es offenbar, sonst hätte sie sich nicht freiwillig zu einem langen Praktikum in der Holding-Zentrale gemeldet, die für die Merkwürdigkeiten ihres Betriebs verantwortlich war. Den Praktikanten sagte man Kontakte mit dem Komitee für Information, das in der Holding für Disziplin sorgte, nach.

 

Ihr gefiel es auch im neuen Unternehmen. Unser Chef fand sie niedlich und förderte sie. Er störte sich nicht an ihren Haaren und Kleidern, die so unordentlich blieben wie in der Zeit, als sie noch in der alten Firma gearbeitet hatte. Vielmehr gefiel es ihm, dass sie sich wie kein anderer Neuankömmling die wichtigen Regeln ihres neuen Betriebs angeeignet hatte: Beim Sprechen solle darauf geachtet werden, dass sich niemand verletzt fühlt und alle zufrieden sind.

 

Sie erntete Lob, wollte aber mehr – nach oben. Anpassungsfähig und fleißig, wartete sie geduldig ihren Augenblick ab.

 

Dieser kam schneller als erwartet. Als bekannt wurde, dass der Chef jahrzehntelang Bestechungsgelder entgegengenommen hatte, fand nur sie den Mut, ihn öffentlich herauszufordern. Alle Beschäftigten waren beeindruckt, als sie von ihr hörten: „Und ich sage, dass wir das System des Chefs abschaffen müssen“. Der Betrieb schien wie von einer frischen Brise gelüftet und sie wurde zum neuen Chef.

 

Klug oder schlau (der Unterschied spielt in unserer Firma keine Rolle) wie sie ist, ging sie zum guten Friseur und ließ sich auch endlich in der Kleiderauswahl beraten. Ihr neues, zurückhaltendes Outfit kam in unserem Unternehmen, in dem auf Äußerlichkeiten sehr geachtet wird, an. Schnell verstand sie zudem, dass der Chef ein Markenzeichen haben sollte. Sie hielt daher ihre Hände auf der Bauchhöhe und positionierte die Finger so, dass sie die Umrisse vom Herz bildeten. Unseren Beschäftigten, die sich außer einem Auslandsurlaub nichts so sehnlichst wie unbekümmertes Leben und Liebe wünschen, gefiel das ungemein.

 

Für die dauerhafte Unterstützung im Unternehmen musste sie sich jedoch einiges einfallen lassen. Und sie war erfinderisch. 

 

Beispielsweise übermittelte sie jeden Tag eine kleine gute Nachricht. Sie vergaß niemals, dabei ihre Finger zum Herz zusammenzulegen. Da die allermeisten Angestellten bei uns die Obrigkeit respektieren, stellte sich bei ihnen ein Reflex ein: Wenn die Chefin nur ihre Hände vor ihrem Bauch hielt, fühlten sie sich bei ihr gut aufgehoben. 

 

Sie entwickelte ihre eigenen Methoden im Umgang mit Gegnern im Betrieb. Die Gefährlichen trieb sie dazu, zu gehen. Den Übrigen bot sie große Posten und kollegiale Führung (in unserem Unternehmen wird in diesem Zusammenhang von „Groko“ gesprochen) an und übernahm bedenkenlos ihre Geschäftsideen, mögen diese noch so dumm gewesen sein. Die Angestellten in der Abteilung für Öffentlichkeit und Richtigstellung (ÖR) lobten sie deshalb als offen und innovativ. 

 

Anders als ihr Vorgänger, der sich mit dieser Abteilung, in der es von narzisstischen Wirrköpfen nur so wimmelt, oft angelegt hatte, hörte die Chefin auf die schlecht ausgebildeten Wichtigtuer. Sie fühlten sich dann noch wichtiger und standen geschlossen hinter ihr. Wenn jemand ihre Entscheidungen kritisierte, schimpften sie ihn „Narr-Zicke“ („Nazi“). 

 

Vor einiger Zeit, als aufgebrachte Arbeitslose unsere Firma stürmten, verfiel die Chefin in Panik. Sie beruhigte sich jedoch, als ihr berichtet wurde, dass sich in der ÖR Stimmung für eine „humanitäre Aktion“ breit gemacht hatte. Sie rief uns dann „Wir können es schaffen!“ zu. Anschließend ließ sie Betriebstore öffnen und stellte die Arbeitslosen an, obwohl die meisten von ihnen keine Berufsqualifikation mitbrachten. 

 

In der ÖR-Abteilung fühlten sich Leute geschmeichelt und lobten die Chefin und ihre Anhänger als Gutmenschen, die für andere Firmen vorbildhaft seien. Trotzdem ist seitdem in der Firma eine gewisse Unruhe spürbar. Viele Beschäftigte vermuten nämlich zu Recht, dass die Neuanstellungen in einer für große Unternehmen guten Geschäftszeit erfolgten. Sie machen sich Sorgen über die Zukunft, wenn schlechte Konjunktur kommt.

 

Den meisten Beschäftigten sehen aber über alle Gefahren hinweg, auch darüber, dass in unserem Unternehmen bis heute Faxgeräte benutzt werden, Internet immer wieder zusammenbricht und Lieferungen chronisch verspätet eintreffen. Auf das gesunkene Leistungsniveau angesprochen, antworten sie gemäß ihren eigenen Wunschvorstellungen, dass die Lage in anderen Firmen noch schlimmer sei. 

 

Obwohl die meisten immer noch glauben wollen, dass die Chefin weiterhin alles unter Kontrolle hat, lassen ihre zum Herz zusammengesetzten Finger keine Gefühle der Geborgenheit mehr aufkommen und ihre Ansprachen werden zunehmend als das erkannt, was sie immer schon waren: das inhaltslose Gelaber. Sogar die ÖR-Angestellten beginnen sich von ihr zu distanzieren. Einige sollen dabei sein, Informationen über ihr Praktikum in der verschwundenen Holdingszentrale vor Jahrzehnten zu sammeln. Als ein seniler, trottliger Angestellter der ÖR forderte, dass sie der Firma noch zumindest vier weitere Jahre erhalten bleiben sollte, rief das nicht Mal müdes Lächeln hervor.

 

Die Chefin wird zunehmend mit Kritik konfrontiert. Diese hat aber einen irgendwie faden Beigeschmack... 


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11.02.2021

Die russische Covid 19- Impfung Sputnik

Der russische "Sputnik" hat sich offenbar als eine viel bessere Impfung erwiesen als es im Westen - der in seiner dämlich-tödlichen Selbstgefälligkeit heutzutage nicht zu überbieten ist - dargestellt wurde. Russland hat aber wenig davon. Dazu hat Putin beigetragen, indem er im Herbst letzten Jahres das noch nicht erprobte, nirgendwo zugelassene Produkt für gebrauchsfähig erklärte. Der Propaganda-Trottel wollte bloß als der Erste erscheinen, der der Welt die Impfung zur Verfügung gestellt hatte. Damit hat der guten Sache einen irreparablen Schaden zugefügt.

Das Debakel mit den deutschen und amerikanischen Firmen, von der deutschen und der EU-Politik in der Impfung-Sache ganz zu schweigen, hätte die russische Impfung problemlos zum Weltschlager machen können.

Das ist nur eines der unzähligen Beispiele, die zeigen, wie das Putin-System Russland schadet.

Die meisten Russen wollen aber Putin, am meisten wollten sie ihn, als er die Ukraine überfiel. Sie haben also die Regierung, die sie verdienen.

 

09.02.2021

Der Mann für Geschichtsbücher

 

Gestern habe ich telefoniert mit einem Freund, einem Universitätsprofessor aus Polen. Ein lieber, fleißiger und in seinem Beruf wirklich guter Mann, gehört er politisch jenen Polen an, die anschaulich demonstrieren, was aus der polnischen inteligencja nach dem Kommunismus werden kann, wenn sie Adam Michnik und seinem Hetzblatt „Wyborcza“ und den verlogenen amerikanischen sowie deutschen Medien schutzlos ausgeliefert wird. Gestern hat er mich etwa darüber belehrt, dass Jarosław Kaczyński, der für seine judenfreundliche Haltung bekannt ist, dazu taugen würde, Holocaust durchzuführen. Wenn ich bei polnischen Freunden und Bekannten solchen Schaden durch die besagten Medien vernehme, reagiere ich mit: "Du hast kein Gehirn" und gehe resigniert zum nächsten Thema über. Normalerweise werde ich dann wieder mit Stuss konfrontiert. Gestern hat sich aber diese Taktik wider Erwarten gelohnt.

Denn im Gespräch über aktuelle Vorgänge erwähnte mein Freund beiläufig einen Artikel der FAZ über Jarosław Gowin, einen Politiker, der im April-Mai 2020 dafür gesorgt hatte, dass  die letzten Präsidentschaftswahlen in Polen nicht als Briefwahlen und nicht zu dem von der Verfassung vorgeschriebenen Termin stattfanden. Die FAZ soll, so mein Freund, Gowin im vergangenen Jahr den "Mann für Geschichtsbücher" genannt haben.

Ich wollte es nicht glauben, weil ich ungerne meine lieb gewonnenen Vorstellungen revidiere: Die FAZ sei zwar opportunistisch, steif und oft nicht gerade gescheit (da gibt es zum Beispiel einen alten Mann, der schreibt, dass Angela Merkel auch nach Herbst d.J. weiterregieren sollte), aber all das hielte sich noch in Grenzen, etwa verglichen mit der „Süddeutschen“ oder der „Handelsblatt“. Und Gowin sei doch bisher in der Politik ausschließlich durch sein ungebändigtes Ego aufgefallen. Gowin wolle doch nur Premierminister werden, obwohl seine politische Gruppierung im polnischen Sejm so, wenn ich mich richtig erinnere,  zwei Dutzend Abgeordnete von 460 hat. Zuständig für kleine Gerichtsreform unter der Tusk-Regierung und zuständig für Hochschulreform unter der Kaczyński-Regierung hat er immer dafür sorgen können, dass er sichtbar wurde. In der Sache getan hat er nichts.

Jetzt habe ich gegoogelt und es stimmt... Der Korrespondent  der FAZ hat in Gowin tatsächlich den Mann der Vorsehung erkannt. Lesen Sie unten. 

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/polen-jaroslaw-gowin-ein-mann-fuer-die-geschichtsbuecher-16762491.html

Aha... noch zum Schluss. Jarosław Gowin hat aktuell politische Probleme. Es hat sich herausgestellt, dass er seit 2015 kein Mandat als Vorsitzender seiner "Partei" "Verständigung" (nebenbei: guter Name, einfallsreich) hat. Beim "Kongress" seiner "Partei" im Jahre 2015 hat man nämlich... vergessen, den Vorsitzenden zu wählen.

Der Journalist und der Parteivorsitzende sollten zusammen Bier trinken gehen, oder?

 

 

05.02.2021

Das Wendejahr 2021: Die alte Bundesrepublik ist tot

Ende Dezember 2020 erklärte Angela Merkel, sie hätte die Neujahrsansprache zum letzten Mal gehalten. Obwohl nicht ganz ausgeschlossen werden kann, dass sie uns trotzdem doch noch zur Begrüßung des Jahres 2022 erhalten bleiben wird, ist die deutsche Demokratie, so wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg existiert hatte, in ihrer Regierungszeit zu Ende gegangen. Denn Demokratie braucht Ordnung und Freiheit. Während der Rechtsstaat nach wie vor für Ordnung sorgt, kränkelt in Deutschland der Wettbewerb. Nicht zuletzt wegen des Zustandes der politischen Parteien wird die deutsche Demokratie in diesem Jahr einen Neubeginn wagen müssen.

In der alten Bundesrepublik sorgten die politischen Hauptgegner – die SPD und die CDU – für einen gesunden Wettbewerb. Obwohl der politische Streit hierzulande traditionell unbeliebt ist, gewöhnten sich die Deutschen an ihn. Das nationalsozialistische („Ein Volk, ein Reich, ein Führer“) und das kommunistische („Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“) Einheitsgebot wich der Konkurrenz der politischen Gegner aus, die unter Einhaltung rechtlicher Normen und (meistens) guten Sitten sowohl um die Durchsetzung ihrer Interessen als auch um das Gemeinwohl rangen.

In diesem Jahrtausend verdrängte allerdings eine künstlich hergestellte Einheitlichkeit den Wettbewerb, was eine tiefe Spaltung der Deutschen nach sich zog. Nachdem die CDU und die SPD ihre ideellen Grundlagen aufgegeben hatten, setzten sie auf die deutsche Sehnsucht nach einer parteiübergreifenden Führung, die in den Regierungen der Großen Koalition ihre Verwirklichung fand. Die einstigen Trägerinnen des politischen Wettbewerbs vermitteln seitdem den Eindruck, in Wahlkampfzeiten Konkurrenz bloß vorzutäuschen, um anschließend in eine Regierung einzutreten, die vom Geist des Opportunismus beseelt ist. Der gewaltige Glaubwürdigkeitsverlust ist die Folge. Heutzutage schöpft die Bunderegierung so gut wie ausschließlich von der Pandemie. Große Krisen bieten jeder politischen Führung Chancen, ihre angeschlagene Macht zu festigen.

Im gerade begonnenen Jahr der Landtags- und Bundestagswahlen ist freilich zu erwarten, dass Deutschland die Pandemie Schritt für Schritt bekämpfen wird. Politische Erschütterungen sind deshalb vorprogrammiert. Ein katastrophales Abrutschen der SPD in der Wählergunst und langsamer fortschreitende Stimmenverluste der CDU sowie innerparteiliche Spannungen scheinen unausweichlich. In einer Demokratie mit intaktem Wettbewerb würde man unter diesen Bedingungen Siege der Oppositionsparteien erwarten, die sich der von der abgewählten Regierung hinterlassenen Probleme annehmen. Nicht so in der Bundesrepublik, wo der politische Wettbewerb krank ist.

Ob die FDP zu den Profiteuren des Wahljahres gehören wird, ist deshalb ungewiss, weil sie ihre Probleme damit hat, zu den Regierungsparteien in Konkurrenz zu treten. Jedenfalls hat sie nicht den Mut aufgebracht, sich im ersten Pandemiejahr von der Regierung abzusetzen und eine Opposition abzugeben.

Das gilt auch für die Grünen, die heute trotzdem bessere Chancen als die FDP haben, von der besonderen Lage zu profitieren. Sie scheinen von allen deutschen Parteien in der Wählergunst am besten dazustehen. Nicht nur ihr großes Wählerpotenzial – ca. ein Viertel der aktiven Wahlberechtigten – macht es ihnen möglich, Regierungsbeteiligung anzustreben. In dieser Partei fokussiert sich gleichsam der in der Gesellschaft ausufernde Realitätsverlust, für den die Popularität von Greta Thunberg mit ihrer Behauptung symptomatisch ist, der baldige Weltuntergang stünde bevor. Die grüne Agenda ist längst zum Programm der Bundesregierung geworden, die wie wohl keine andere die hehren Klima-Ziele konsequent verkündet (um in der Praxis der Wirtschaft immer nachzugeben).

Anders als mit den Grünen verhält es sich mit der eindeutigen Opposition – der AfD –, die von allen anderen Parteien für nicht koalitionswürdig erklärt worden ist. Es ist davon auszugehen, dass sich daran nichts ändern würde, wenn sie ihr Wählerpotenzial, das den Grünen und der CDU ähnlich sein dürfte, bei den Bundestagswahlen ausschöpfte. Dabei ruft ihre Putin-Affinität nur bei den Grünen eine echte Abneigung hervor, während die CDU/CSU, die SPD, die FDP, von der Linken ganz zu schweigen, das europäische Hauptprojekt des Kriminellen im Kreml – den Nord Stream II – mittragen (das gilt ungeachtet dessen, dass die FDP augenblicklich mit dem Moratorium auf die Herstellung der Pipeline „droht“). Ausschließlich der rechtsextreme Flügel, den die AfD neben der biederen Masse ihrer Anhänger beherbergt, macht den etablierten Parteien die scharfe Abgrenzung möglich. Die Existenz der „faschistischen AfD“ schweißt sie an der Macht bzw. auf dem Weg zur Macht zusammen.

Unter diesen Umständen scheint es nicht viele Optionen für eine Regierung nach Merkel zu geben. Der Zusammenschluss der Grünen mit der SPD ist unwahrscheinlich, weil die letztgenannte als Juniorpartner hoffnungslos schwach ist. Auch würde die in der aktuellen Legislaturperiode nur noch dem Namen nach „Große“ Koalition diesmal die Regierungsbildung verfehlen. Unsicher ist schließlich, ob eine Jamaika-Koalition als Regierungsbasis ausreichte.

Vor dem Gesamthintergrund der Wahlarithmetik, des um sich greifenden Realitätsverlusts und des Opportunismus der Parteien bietet sich heutzutage die grün-schwarze Regierungskoalition als die wahrscheinlichste Option nach den Bundestagswahlen im Herbst an. Da jedoch heute niemand wissen kann, wie die Wahlergebnisse ausfallen werden, ist nur eines sicher: Jede Regierungsvariante ohne die AfD würde die während der Pandemie nur verborgene politische Spaltung des Landes ans Tageslicht befördern. Denn kein Naturereignis kann den in Jahrzehnten redlich erarbeiteten Glaubwürdigkeitsverlust rückgängig machen.

Ist es folglich wünschenswert, dass die AfD in die Regierung kommt, damit die dramatische Polarisierung beseitigt, der gesunde Wettbewerb wiederbelebt, der Realitätsverlust behoben und die alte Bundesrepublik doch noch gerettet werden könnten?

Dafür ist es zu spät. Selbstverständlich würde jede Regierung mit der AfD die Glaubwürdigkeit der politischen Parteien weiterhin unterminieren und die politische Spaltung des Landes vertiefen.

Hätte die CDU in den vergangenen Jahrzehnen den Versuch unternommen, ihre Wähler zu halten, dann hätte sie die Chance für die Fortsetzung der alten Bundesrepublik in der neuen Ära gerettet. Statt auf die enttäuschten Konservativen zuzugehen, entschied sie sich jedoch für ein Bündnis mit der SPD und für den Verzicht auf christlich-demokratische Werte. Somit hat sie nicht nur das eigene Verbleiben an der Macht gesichert, sondern auch die Festigung der AfD bewirkt. Ganz beiläufig hat sie die SPD mitvernichtet, indem sie sich auf der Koalitionsbank in die Mitte gesetzt hat, um anschließend Schritt für Schritt ihren Partner von seinem Platz auf der linken Seite wegzuschieben.

Die CDU hat den größten Anteil am kranken Wettbewerb, an der Stärke der AfD und am Neubeginn mit unsicherem Ende, den in diesem Jahr die Bundesrepublik wird wagen müssen.

28.01.2021

Demokratie in der EU?


Wenn die EU eine Demokratie wäre, würde das EU-Parlament jetzt über das aktuelle Fiasko mit Impfungen debattieren. Die Forderung nach dem Rücktritt der Kommission wären laut, Abstimmung darüber unausweichlich.

Dass die EU-Europäer diese Debatte, diese Forderungen und diese Abstimmung nicht vermissen, spricht Bände über die Gegenwart und - leider auch - die Zukunft der Union.

 

04.01.2021

Pandemie im Postkommunismus

Nach 1956 haben die Kommunisten im Ostblock ihre Sicherheit gewonnen. Dank der so genannten Entstalinisierung wurden sie nicht mehr umgebracht, wenn sie im politischen Kampf verloren haben. 

Sie genossen ihre neue Sicherheit. Aber nicht nur das. Sie haben im Nu den Staat zu ihrem eigenen umfunktioniert, so dass sie sich dessen scheinbar unbegrenzter Macht bedienten, und zwar auf allen Ebenen: als lokale Funktionäre auf der Kreis-Ebene, als Provinzfürsten in einer Region oder als Bonzen im Politbüro und im Sekretariat des Zentralkomitees ihrer Partei. Sie sprachen sich darüber ab, wie sie "ihre" Datschen und "ihre" Wohnungen untereinander verteilen würden, sie hatten "ihre" besseren Ärzte in "ihren" besser ausgestatteten Krankenhäusern, sie besuchten "ihre" gut versorgten Geschäfte, sie bekamen "ihre" Reisepässe, sie spannten "ihre" Richter und "ihre" Staatsanwälte ein, wenn (diesmal ohne Anführungsstriche) ihre Kinder betrunken einen Autounfall gebaut oder jemanden zusammengeschlagen haben, usw. Die kommunistischen Funktionäre hatten alles, was die normalen Untertanen entbehrten, plus die Sicherheit, die ihnen der vereinnahmte Staat gab.


Entsprechend war ihre Mentalität des chronischen und selbstverständlichen Eigennutzes. Sie färbte leider auf die Untertanen ab. Diese haben sich im Laufe der Jahrzehnte an das System, in dem die Machtstellung über die soziale Position im Gefüge "der unseren" Privilegien entschied, gewöhnt. Unter den Untertanen passten sich übrigens die oft parteilosen Schauspieler, Schriftsteller, Regisseure, bekannte Sportler und andere Prominente am schnellsten an. Die Kommunisten ließen sie um den Zugang zu den Privilegien bitten und öffneten ihnen oft die Tore der Regierungskliniken sowie gewährten Ihnen Reisen "ins kapitalistische Ausland". In Massengesellschaften tragen doch die angepassten Prominenten zuweilen entscheidend zur Staatslegitimation bei, egal ob es sich um ein demokratisches oder totalitäres System handelt. 


Heute wollen wenig gescheite Menschen ebenso wie chronische Lügner glauben und andere glauben lassen, dass das hier skizzierte System und die von ihm produzierte Mentalität in den Jahren 1989-1991 einfach verschwunden sind. Lächerlich... 


Es gibt im ehemaligen Ostblock zwar keine Kommunisten mehr an der Macht, aber es gibt durchaus "unsere" Sicherheit, "unsere" Staatsanwälte, "unsere" Richter und "unseren" Zugang zu den begehrten Gütern: zu den Bankkrediten, zu den gefälligen Entscheidungen der Staatsbeamten und - in der letzten Zeit - zu den Coronavirus-Impfungen. 


Was das letztgenannte Gut angeht, so lassen beispielsweise die neuen Besitzer von Russland, die die Sowjetunion und das kommunistische System öffentlich und offiziell zu einem leider verschwundenen Paradies verklären, für sich Impfungen aus dem Westen einfliegen, während sie dem Volk das ungeprüfte, nirgendwo sonst in der Welt zugelassene einheimische Zeug verpassen.


Aber auch in den Ländern, die sich lautstark von der kommunistischen Ära distanziert haben, und nicht zuletzt deshalb in die moralisch erhabene freiheitliche Familie der wohlhabenden und ungeheuer aufrichtigen Europäer (die bekanntlich ihre hehren Werte besitzen) aufgenommen worden sind, zeigen sich die Kräfte und die Mentalitäten der scheinbar längst überwundenen Ordnung. Wie in den letzten Tagen in Polen. 


Darüber werden Sie wahrscheinlich nichts (oder zumindest nicht die Wahrheit) erfahren können.


In Warschau, an einer medizinischen Universität geschah etwas Besonderes. Mehrere Dutzend Prominente (150 samt Familien)- darunter ein großer Schauspieler mit seinem so 35-jährigen Töchterlein, ein ehemaliger Premierminister, der Chef einer sehr aufgeklärt-demokratisch-proeuropäischen Fernsehstation, ein leider seit Jahrzehnten nicht mehr lustiger Satiriker und andere sehr wichtige und lustige Menschen - haben sich noch im Dezember gegen Covid-19 impfen lassen. Warum ist das verwunderlich? Weil in Polen, wo wegen Covid Dutzende Ärzte und hunderte Krankenschwester gestorben sind, augenblicklich ausschließlich das medizinische Personal geimpft werden darf. 


Die Dümmsten der "an der Warteschlange vorbei" Geimpften (eine bekannte Schauspielerin und ein ehemaliger - dazu noch im Wortsinne "postkommunistischer" - Regierungschef können  dumm wie ein Paar Schuhe sein) haben sogar auf Twitter mit ihren Impfungen geprotzt. So wurde die Angelegenheit bekannt.


Dieser Sachverhalt lehrt uns Banales: Es ist in jedem postkommunistischen Land relativ einfach, freie Wahlen durchzuführen. Es ist aber nicht möglich, binnen dreißig Jahre die Mentalität abzulegen, die sich in Generationen eingestellt hatte. 


Warum ist davon auszugehen, dass Sie in den freiheitlich-demokratischen Medien der Bundesrepublik über den polnischen Skandal nichts oder bloß Unwahrheit erfahren werden? Auf diese Frage gibt es zwei einander ergänzende Antworten:


Erstens: Fast alle regelwidrig geimpften Prominenten gehören zu den wildesten (es gibt wirklich kein zutreffenderes Wort in diesem Zusammenhang) politischen Feinden der PiS. Zweitens: diese Prominenten werden von den deutschen Journalisten sehr gemocht, die über Polen regelmäßig schreiben. 


Die deutschen Journalisten sind bekanntlich auf ihre Art und Weise (die mit dem Liberalismus kaum etwas zu tun hat) sehr, sehr liberal, und deshalb mögen sie die liberalen polnischen Prominenten. Sie sind von den polnischen National-Konservativen regelrecht angewidert, so stark kämpfen die deutsch-liberalen Journalisten für Meinungsfreiheit und europäische Werte (in anderen Ländern). Sie kämpfen gegen die pöse, pöse PiS, weil diese sie für verlogene deutsche Chauvinisten hält.


Anders als man in Deutschland zu glauben geneigt ist, reicht die "national-konservative" Gesinnung offenbar nicht aus, um aufzuhören, "liberal" zu sein. Inzwischen sind nämlich zwei Fälle der lokalen PiS-Funktionäre bekannt, die sich "an der Warteschlange vorbei" haben impfen lassen. Der eine ist sofort aus der Partei rausgeflogen. Es ist davon auszugehen, dass es auch mit dem zweiten so geschehen wird. Die wirklich liberalen und prominenten Regelbrecher übertreffen sich dagegen im Augenblick darin, Erklärungen abzugeben (dem pösen Trump ähnlich - nur auf Twitter), dass sie sich nicht von einer Schauspieler-Kollegin zur schnellen Impfung hätten zusammenrufen lassen, sondern in die ganze Sache versehentlich gerieten, ja vielleicht sogar hinein manipuliert worden seien.


Jarosław Kaczyński hat immer gesagt, dass er in Polen den "Postkommunismus" ausrotten will. Wie traurig es klingen mag: Er wird es zu seinen Lebzeiten nicht schaffen (sicher nicht mit der Unterstützung der deutschen Journalisten), aber Gott stehe ihm trotzdem bei.