Die Mäander der "populistischen" MAGA-Bewegung, die nun die dramatische Niederlage der Republikaner in midterms erlebte, lässt an den Satz "Geschichte ist ein Friedhof von Eliten" denken, den Vilfredo Pareto, ein Soziologe ohne Gleichen, vor ca. 130 Jahren schrieb.
JERZY J. MAĆKÓW
Man soll gegen den Strom schwimmen. Mit dem Strom schwimmt der Müll. (Zbigniew Herbert)
07.11.2026
Friedhof der Eliten in Europa
25.10.2026
Die Ambivalenz der Grünen
Von den deutschen Parteien haben mit ziemlicher Sicherheit nwei eine gute Zukunft: die AfD und die Grünen. Die AfD wird ihren "Charm" allerdings relativ schnell verlieren, wenn sie im beträchtlichen Umfang - ggf. im Bund - Macht ausüben wird. Denn sie wird nicht harte Reformen durchführen, die das Land dringend braucht.
25.09.2026
"Rechtsstaat" in der demokratischen Republik Polen und der "Analphabet" Lech Wałęsa
01.09.2026
Sieben banale Wahrheiten zum erneuten „Korruptionsskandal“ in der Ukraine
"Polen-Freunde", denen nur ihre politischen Freunde in Polen wichtig sind
Zum Artikel, von dem dieser Text handelt
Der Journalist Uwe Rada hat in TZ (oder einem anderen fortschrittlichen Blatt der deutschen sozialistischen und postsozialistischen Weltverbesserer, dessen Abkürzung ich nicht kenne) einen Artikel über Warschau veröffentlicht, in dem die polnische Hauptstadt als das „liberale“ Vorbild für das offenbar weniger liberale Berlin gepriesen wird. Viele Behauptungen des Autors sind subjektive Eindrücke, auf die man nicht eingehen muss. Uwe Rada ist zum Beispiel der Meinung, dass das Kulturpalast jetzt in eine Art grünes (nicht politisch gemeint) Stadtkonzept gelungen eingebunden wurde. Dagegen könnte man einwenden, das dieses Stalin’sche Monster nach wie vor das Stadtzentrum auf hässliche Art und Weise erdrückt, und dass diejenigen, die die Stadt regieren, in drei Jahrzehnten keinen Weg gefunden haben, mit dieser unfunktionalen Hässlichkeit umzugehen. Es reicht aus, die Perspektive, von der aus das unten abgebildete, unerträglich realitätsferne Foto gemacht wurde, um einhundert Meter zu verschieben, um das Kulturpalast als das zu sehen, was es ist: eine Monstrosität, die nach Sprengstoff schreien lässt. Über Geschmack streitet man aber bekanntlich nicht.
18.07.2026
Zum Rücktritt von Jens Spahn
Es sind bloß ein paar Tage vergangen, seitdem die Nachricht durch die Medien ging, dass Jens Spahn und sein Partner - wie die unbedarfen Medien (und der Bundeskanzler) es formulierten - "Eltern" geworden sind, und er trat zurück. Denn die Menschen in Deutschland haben sich empört gezeigt.
Warum sind sie empört? Die einen deshalb, weil sie die Idee der Kinderadoption durch homosexuelle Paare abwegig finden. Die anderen, weil sie es nicht akzeptieren können, dass Spahn etwas gemacht hat, was in Deutschland verboten ist: nämlich die Leihmutter eingesetzt, und zwar in den USA.
Dabei ging es offenbar um kommerzielle Leihmutterschaft, die selbst in den USA nur in einem Dutzend Staaten erlaubt ist. Auch in der Ukraine, Georgien, Kolumbien und Mexico gilt die Regel: Wenn du zahlst, kannst du das Kind bei einer Frau, die sich als Brutstätte zur Verfügung stellt, bestellen.
Wenn man die deutschen Medien betrachtet, so scheint sich der Kreis der über Spahns Handlung Empörten vorwiegend aus den Menschen zusammensetzen, die nicht die Idee der Leihmutterschaft an sich, sondern den tückischen Weg des ehemaligen Gesundheitsministers und seines bärtigen Partners, "Eltern" zu werden, ablehnen. Als Gründe für diese Ablehnung können entweder Neid (Spahn ist wohlhabend und kann sich das leisten), oder Gesetzestreue, oder beides vermutet werden.
Männer und Frauen machen in jeder Gesellschaft die überwiegende Mehrheit aus. Menschen, die sich über ihr Geschlecht nicht sicher sind oder sexuell auf eigenes Geschlecht "stehen", stellen immer sehr kleine Minderheiten dar. Zugleich hat jede Kultur ihre Normen, die die Fortpflanzung auf der Basis der Lust, die Mann und Frau füreinander empfinden, garantieren sollen. Diese Normen gelten für alle, was Probleme der besagten Minderheiten, die sich mir ihrer Andersartigkeit abfinden müssen, noch verstärkt.
Und dennoch stellt nicht nur Sexualität den Bereich dar, in dem universell geltende Normen über die Minderheiten hinwegsehen. Die Minderheit der geistig oder körperlich Behinderten hat es auch damit schwer, ihre Vorlieben und Wünsche auszuleben. Es ist die Qualität der Gesellschaft, die bestimmt, ob die Minderheiten trotz ihrer spezifischen Probleme sich zurecht finden. Die Gesellschaft und der Staat sollen ihnen durch Toleranz bzw. rechtliche Bevorzugung helfen, allerdings darauf aufpassen, dass durch diese Hilfe den anderen kein Schaden zurgefügt wird. So sollen etwa Homosexuelle nicht beruflich benachteiligt werden, sie sollen ungehindert zusammen leben können, sie sollen über rechtliche Wege verfügen, vom Partner zu erben oder im Krankenhaus Informationen über ihn zu erhalten u.ä. Das alles darf aber nicht auf Kosten der Schwächeren geschehen.
Kinder stellen die Schwächsten jeder Gesellschaft dar. Es sind zwar durchaus Situationen vorstellbar, die dazu führen, dass sie von gleichgeschlechtlichen Partnern erzogen werden können, obwohl sie damit verschiedenen Risiken ausgesetzt werden. Es kann sogar sein, dass eine Entscheidung dafür die bestmögliche Lösung für das betroffene Kind ist. Sie ist aber etwas ganz anderes als das Befolgen einer menschenverachtenden Gesetzesnorm, die die komerzielle Bestellung des Kindes bei einer weiblichen Brutstätte erlaubt. Diesen Unterschied verstehen die meisten Staaten und Gesellschaften, sogar in den USA.
Der Rücktritt Spahns zeigt, dass Demokratie gewonnen hat. Hoffentlich ist aber der mediale Eindruck falsch, dass die Empörung über sein Verhalten darauf zurückgeht, dass er öffentlich zur rechtlichen Norm steht, die er privat missachtet.
Das Problem der Leihmutterschaft ist nämlich viel seriöser als der komplette Glaubwürdigkeitsmangel eines Politikers, der einst über die Gesundheit von gut 80 Mio. Menschen entschied.