War wieder in Kiew. Am Freitag sah es nach einem für die ukrainische Krise wichtigen, vielleicht entscheidenden Wochenende aus, weshalb ich auf die Schnelle ein Ticket und eine Schlafgelegenheit besorgt hatte und am Samstag Abend im Kiewer Stadtzentrum angekommen bin.
Ich fand eine getrübte Stimmung vor. Bereits mein Taxi-Fahrer, der mich vom Flughafen in die Stadt brachte, riet mir dringend davon ab, das (bereits bezahlte) Hotel im Zentrum zu benutzen. Er sagte, wir würden sowieso von der Polizei umgeleitet werden. In der Tat kamen wir bereits bei der Einfahrt in die Stadt an einigen Milizposten vorbei. Im Zentrum - nachdem wir eine neue Bleibe gefunden haben - bin ich gleich zur Chruschewskyj-Straße, die vom Majdan über den Europa-Platz zu den Regierungsgebäuden und zum Parlament führt, gekommen. Hier wurden in den vorangegangenen Tagen kriegsähnliche Kämpfe geführt. Auch hier sind einige Majdan-Leute umgekommen, für die mittlerweile zwei kleine improvisierte Kapellen aufgestellt wurden. An einer erinnert die von Lukaschenka verbotene belarussische Fahne - weiß, rot, weiß, und mit dem historischen Pogon-Wappen des Großfürstentums Litauen versehen - an die Nationalität des von den berüchtigten polizeilichen Sondereinheiten Berkut Erschossenen.
Es war dunkel und kalt (15-20 Grad minus), aber nicht nur deshalb gespenstisch. Drei quer durch die Straße aufgebauten Barrikaden, die erste durfte man passieren, auf die zweite bin ich aufgestiegen, um Fotos zu schießen, vor der dritten, die bloß den Majdan-Kämpfern "vorenthalten" war, brannten Reifen, so dass die Berkut-Leute im Rauch nicht sichtbar waren. Die mit Helmen verschiedener Provenienz (Motorrad, Baustelle, Fahrrad, Ski), Schlagstöcken sowie - manchmal - improvisierten Gelenkschützen und Schutzschildern ausgestattenden Majdan-Leute schlugen rhytmisch auf Metalgegenstände...
Nach der Besichtigung dieses düsteren Kriegsschauplatzes ging ich zum Majdan. Hier trat gerade die "Trojka" - die Oppositionsführer - auf. Sie verkündeten, das ihnen während der Verhandlungen am gleichen Tage von Janukowytsch gemachte Angebot abgelehnt zu haben, Jatzenjuk i Klitschko zum Premier und stellvertretenden Premierminister zu ernennen. Es ist klar: Die Tatsache, dass Janukowytsch eine solche Wende von tödlicher Gewalt gegen die Protestierenden bis hin zu derartigen Vorschlägen vollzogen hat, zeugt von seiner Schwäche. Völlig zu Recht hat aber die Trojka (darunter auch der rechtsextreme Tjachnibok) dieses Angebot nicht endgültig ausgeschlagen, obwohl sie dem Majdan gegenüber die Forderung nach dem Rücktritt des Präsidenten als die eigene vortrugen.
Denn wer soll ein neuer Präsident werden? Was soll die Regierung tun - nur das Assozierungsabkommen mit der EU unterzeichnen? Dadurch werden die systemischen Probleme des Landes nicht gelöst. Um aber das System auszuwechseln, braucht man einen politischen Reformwillen, kompetente Eliten, das Gefühl für Gemeinwohl - beinahe alles Ware, die - bis auf das Gemeinwohl-Gefühl - selbst auf dem Majdan knapp ist, vom Rest des Landes ganz zu schweigen.
Trotzdem beflügelte die von Janukowytsch angekündigte Wende den Majdan. Ganze Nacht harrten seine Kämpfer vor dem Ukraine-Haus aus, aus dem sie - zunächst vergeblich - die dort seit Wochen "deponierten" Polizisten vertreiben wollten, die stets eine große Gefahr für die auf der Chruschewskyj-Straße Majdan-Kämpfer darstellten. Während die letztgenannten nun das riesige Gebäude umzingelten, wurden ihnen gegenüber Berkut-Einheiten stationiert. Es sah nach der entscheidenden Schlacht aus. Dazu ist es aber nicht gekommen: So um 5. 00 Uhr morgens gaben die Polizisten nach und verließen das Ukraine-Haus, von den Majdan-Kämpfen ungehindert.
Heute (es ist Sonntag) konnte man auf dem Majdan schon die Entspannung spüren. Bereits am frühen Morgen gingen die Majdan-Anhänger dazu über, die von Sturmversuchen der letzten Nacht am Haus der Ukraine verursachten Zerstörungen zu beseitigen. Das vom Majdan besetzte Gebäude wurde geräumt, die Eingangstreppen vom Eis befreit, die zerschlagenen Scheiben provisorisch durch Bretter und Platten ersetzt.
Auch die Chruschewsky-Straße blieb ruhig. Sie wurde im frostigen Sonnenschein den ganzen Tag lang von den Kiewern besucht. Wahrlich, sie sieht wie eine Landschaft nach der Schlacht aus...
Was die protestierenden Ukrainern für ihr Land und eine europäische Zukunft tun, ist präzedenzlos. Aus Studenten, Arbeitern, Ärzten, Arbeitslosen, Kleinunternehmern, Managern, die vor gut einer Woche noch eine Art Frostkarneval feierten und sich vor knapp acht Wochen zu Protesten versammelt haben, sind harte Kämpfer geworden, die um die Sicherheit ihrer Mitbürger rührend besorgt sind. Indem sie sich der Berkut entgegengesetzt haben, haben sie ihrer Stadt die Angst genommen, die sie nach den Jahrzehnten des Kommunismus wieder zu ergriffen schien, nachdem Janukowytsch und Putin eine sinnlose Gewaltspirale aufgedreht hatten.
Diese bewundernswerten Menschen, deren Vorfahren in den ihnen fremden Machtbereich gekommen waren, werden leider keinen europäischen Marshall-Plan bekommen, der ihnen helfen könnte, dorthin zu kommen, wo ihr Platz ist - zur EU. Dafür sind die Westeuropäer zu egoistisch (sie verstehen sowieso nicht, was in der Ukraine passiert, und haben es nicht vor, das zur Kenntnis zu nehmen). Sollte es den Ukrainern gelingen, auch diese gefährliche Krise zu meistern, müssen sie damit rechnen, nochmals alleine gelassen zu werden.
Eines werden die Ukrainer mit ihrem Majdan freilich erreicht haben. Niemand in Westeuropa wird weiterhin die Erkenntnis, die Ukraine sei ein europäisches Land, ohne Selbstbetrug unterdrücken können. Aber baut die EU nicht auf Selbstbetrug der Nationalisten auf?
PS. Fotos folgen noch. Bisher nur zwei Videos auf meiner Facebook-Seite: https://www.facebook.com/photo.php?v=558781540880515&set=vb.100002460228195&type=2&theater
https://www.facebook.com/photo.php?v=558870084204994&set=vb.100002460228195&type=2&theater
Man soll gegen den Strom schwimmen. Mit dem Strom schwimmt der Müll. (Zbigniew Herbert)
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23.01.2014
Nur ein fauler Komprimiss kann heute die Ukraine aus der Krise führen
In der ukrainischen Krise kann niemand gewinnen. Weder das kriminelle Regierungslager samt dem Präsidenten, noch die gespaltene und schwache politische Opposition, noch die friedlichen Majdan-Demonstranten, noch die radikalen Demonstranten, noch die Oligarchen, die hinter dem Majdan stehen, noch die Oligarchen, die hinter Janukowytsch stehen, noch Putin, der hinter Janukowytsch steht (und diesen zugleich erpresst), noch die Europäische Union, von der der falsche Eindruck entsteht, als würde sie Ukraine-Poltitk haben und überhaupt außenpolitisch handlungsfähig sein, noch die USA, die sich de facto für die Ukraine so viel interessieren wie der durchschnittliche Deutsche, noch die Ukraine selbst, deren gefährliche innere Spannungen durch diesen Konflikt noch verstärkt werden.
In dieser Krise könnten alle verlieren: die kriminellen Regierenden in der Ukraine könnten entmachtet, enteignet und ggf. gehängt werden, die Opposition könnte buchstäblich enthauptet werden, die Majdan-Demonstranten könnten erschlossen bzw. mit Schwergerät zerquetscht werden, die Oligarchen könnten ihr Vermögen und sogar ihre Freiheit verlieren, Putin hat schon 16 Milliarden Dollar verloren, die Europäische Union könnte einen friedlichen Nachbar, der - obwohl autoritär - relativ wenig innenpolitische Repression kennt, verlieren und im Osten des Kontinents ausschließlich mit Schurkenregimen grenzen, die USA könnten Sympathien der Ukrainer verlieren, wenn sie einem immer noch möglichen Abschlachten des Euro-Majdans zuschauten. Das Meiste könnte jedoch die Ukraine verlieren - sie könnte auseinanderfallen.
Alle könnten verlieren, weil alle schwach sind: das Regierungslager ist für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung auf ewig delegitimiert, die politische Opposition ist führungs- und programmlos sowie gespalten, auf dem Majdan sind die Bürgerlichsten des nicht allzu großen Milieus der ukrainischen Bürgerlichen versammelt, die Oligarchen sind zerstritten, Putin kann Janukowytsch ein Mal fehlende Haushaltsgelder geben, aber er ist außerstande, das Land Ukraine für sich zu gewinnen, Obama ist längst lame duck geworden (und die Ukraine war ihm immer gleichgültig), schließlich ist die Ukraine gespalten wie noch nie seit ihrer Unabhängigkeit.
Für diese Krise gibt es keine alle involvierten Akteure zufrieden stellende Lösung. Denn Janukowytsch und Putin haben mit ihrer antieuropäischen, auf Gewalt hinauslaufenden Politik dazu geführt, dass die einzige Krisenlösung - ein Kompromiss - unmöglich geworden ist. Ohne eine Krisenlösung ist die Ukraine aber auf Jahre, auf Jahrzehnte verloren.
Es gibt vielleicht noch eine Chance. Denn man könnte einen Kompromiss inszenieren. Die Entlassung der Regierung könnte vielleicht die Gegner des Regimes besänftigen. Der Verbleib des Präsidenten Janukowytsch würde dem Osten des Landes gefallen. Auch andere faule Kompromisse sind denkbar. Nur sie könnten das Land retten.
In dieser Krise könnten alle verlieren: die kriminellen Regierenden in der Ukraine könnten entmachtet, enteignet und ggf. gehängt werden, die Opposition könnte buchstäblich enthauptet werden, die Majdan-Demonstranten könnten erschlossen bzw. mit Schwergerät zerquetscht werden, die Oligarchen könnten ihr Vermögen und sogar ihre Freiheit verlieren, Putin hat schon 16 Milliarden Dollar verloren, die Europäische Union könnte einen friedlichen Nachbar, der - obwohl autoritär - relativ wenig innenpolitische Repression kennt, verlieren und im Osten des Kontinents ausschließlich mit Schurkenregimen grenzen, die USA könnten Sympathien der Ukrainer verlieren, wenn sie einem immer noch möglichen Abschlachten des Euro-Majdans zuschauten. Das Meiste könnte jedoch die Ukraine verlieren - sie könnte auseinanderfallen.
Alle könnten verlieren, weil alle schwach sind: das Regierungslager ist für einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung auf ewig delegitimiert, die politische Opposition ist führungs- und programmlos sowie gespalten, auf dem Majdan sind die Bürgerlichsten des nicht allzu großen Milieus der ukrainischen Bürgerlichen versammelt, die Oligarchen sind zerstritten, Putin kann Janukowytsch ein Mal fehlende Haushaltsgelder geben, aber er ist außerstande, das Land Ukraine für sich zu gewinnen, Obama ist längst lame duck geworden (und die Ukraine war ihm immer gleichgültig), schließlich ist die Ukraine gespalten wie noch nie seit ihrer Unabhängigkeit.
Für diese Krise gibt es keine alle involvierten Akteure zufrieden stellende Lösung. Denn Janukowytsch und Putin haben mit ihrer antieuropäischen, auf Gewalt hinauslaufenden Politik dazu geführt, dass die einzige Krisenlösung - ein Kompromiss - unmöglich geworden ist. Ohne eine Krisenlösung ist die Ukraine aber auf Jahre, auf Jahrzehnte verloren.
Es gibt vielleicht noch eine Chance. Denn man könnte einen Kompromiss inszenieren. Die Entlassung der Regierung könnte vielleicht die Gegner des Regimes besänftigen. Der Verbleib des Präsidenten Janukowytsch würde dem Osten des Landes gefallen. Auch andere faule Kompromisse sind denkbar. Nur sie könnten das Land retten.
22.12.2013
Anti-Majdan yesterday (21.12.13)
As we know, the Majdan cannot be completely filled up with protesters during the week, because the inhabitians of Kiev have to work. We also know, that Janukowytch had a successful day this week. On Wednesday Putin signed a treaty promising considerable help (15 Millions Dollars and lower gas prices) to Ukraine. For this reason both sides of the current Ukrainian conflict are now trying to mobilize their respective supporters for the planned Sunday demonstrations. The opposition is expecting hundreds of thousands of visitors on the Majdan and Hreshtshatyk. The rulers want to show once more that they have a great amount of supporters strong enough in size and organization to keep up with the Majdan protesters. The Majdan side has still a better position in both regards. Their organization is remarkable and despite weak political leadership its adherents are determined to fight "till the end" (e.g. until "victory" comes, although the mentioned leaders obviously have little idea what "victory" consists of).
The pictures below were taken today and give an impression about the Anti-Majdan in a park near the parliament which has proved to be a weak counterpart of the Majdan. I am sure, they do not need to be commented. I want to mention only one thing. Among the people who support Janukowytch and his "Party of Regions" in Kiev are also very nice ones.
The pictures below were taken today and give an impression about the Anti-Majdan in a park near the parliament which has proved to be a weak counterpart of the Majdan. I am sure, they do not need to be commented. I want to mention only one thing. Among the people who support Janukowytch and his "Party of Regions" in Kiev are also very nice ones.
20.12.2013
Wieder auf dem Maidan - Nacht vom 19. auf den 20. Dezember 2013
Knapp zwei Wochen nach meinem ersten Besuch in Kiew in diesem Monat habe ich einen veränderten Majdan vorgfunden. Die Organisation - Zelte, "bürgerlicher Sicherheitsdienst" (im besetzten Gebäude des Stadtrates wird man beim Eingang sogar auf Waffen durchsucht), Versorgung mit Holz, Strom (Generatoren), mit Essen, Getränken, umgebaute Barrikaden, die das "Städtchen" der Protestierenden schützen - ist noch besser als vor zwei Wochen.
Die Demonstranten - es waren in der Nacht vor einem Arbeitstag nur einige Tausend - sind determiniert. Sie verachten die sie regierende "Bande von Kriminellen" bzw. Dieben" zutiefst. Gleiches gilt für Putin, den sie dieser Bande wie selbstverständlich zurechnen.
Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die zahlreichen Lagerfeuer wie von Kosaken in der Steppe umziengelt sind, denen die Kargheit ihrer Lebensbedingungen kaum was ausmacht. Denn sie sind geeint durch den Geist der Freiheit.
Gleich gehe ich wieder zum Majada, deshalb hier nur einige Fotos von der gestrigen Nacht Aus technischen Gründen kann ich sie nicht richtig auswählen. Verzeihung bitte, wenn nicht nur die Gelungenen veröffentlicht werden.
14.12.2013
Für die schwache Ukraine fängt ein wichtiges Wochenende an
An jedem Wochenende scheint die politische Opposition in der Ukraine stark, obwohl sie in Realität auch dann schwach bleibt: nicht einheitlich, nicht stark im Volk verankert, ohne Porgramm und ohne charismatische Führung. Am Wochenende kommen aber Hundertausende neue Demonstranten auf die Kiewer Straßen - es sind die Menschen, die in der Woche arbeiten müssen.
Auch der Staatspräsident ist schwach. Besonders eben an den Wochenenden. Deshalb lässt er augenblicklich seine Anhänger aus dem Osten des Landes nach Kiew bringen. Mitten in der Woche hat er zwar etwas mehr Spielraum, weil während der Arbeitstage der Majdan schwach - "halbleer" - ist. Der Spielraum Janukowytschs ist jedoch selbst unter der Woche nicht allzu groß. Die Oligarchen stehen keineswegs geschlossen hinter ihm. Wir können zudem auf der Grundlage der bisherigen Entwicklungen vermuten, dass er sich seines Gewaltapparats nicht ganz sicher sein kann.
Die ganze Zeit bleibt die Ukraine ökonomisch schwach, sehr schwach. Diese andauernde Schwäche hängt damit zusammen, dass das Land mittlerweile seit gut zwei Jahrzehnten schmerzhafte Reformen hin zur modernen Marktwirtschaft hinauszögert. Stattdessen lehnt es sich ökonomisch an Russland, das sich jede ökonomische Gefälligkeit - de facto geht es um Subventionierung - politisch bezahlen lässt. Ohne Reformen bleibt so die Ukraine in der lähmenden Umarmung des unter Putin irrational-neoimperialistisch gewordenen "großen Bruders".
Das Volk der Ukraine ist schwach. Bloß Schlaue und Rücksichtslose profitieren vom ineffizienten System. Sie bedienen sich andauernd auf Kosten der nicht organisierten, passiven Mehrheit. Die Letzgenannten - die Untertanen - werden mit Resten abgespeist.
Das ukrainische Bürgertum ist schwach. Ihm bleibt folglich nur der Protest auf der Straße, um seine - durchaus vagen - politischen Wünsche nach einer EU-Integration zu äußern. Es versteht kaum, dass die Europäische Union sein Land zu reformieren außer Stande ist. Es denkt über die EU als wäre sie eine Art besseres Russland und könnte als solche der Ukraine Wohlstand und Freiheit bringen. In Wirklichkeit jedoch kann die EU nur sagen: Wir sind mit Euch, wir wollen Euch, reformiert Euch und dann kommt zu uns! Da die Ukraine freilich vom jedweden Reformkonsens sehr weit entfernt ist, erscheint diese Haltung der EU-Vertreter in der gegenwärtigen Krise etwas kühl und distanziert. Zumal viele EU-Spießer tatsächlich gegen die wirklich freundliche Maßnahme - die Öffnung der EU-Grenzen für die Ukrainer - sind.
Der kluge russische Analytiker, Wladimir Pastuchow, sagt angesichts dieser Gemengelage (http://www.polit.ru/article/2013/12/12/maydan/), die beste politische Entwicklungsvariante für die Ukraine bestünde darin, dass Janukowytsch an der Macht bleibt, d.h. dass sich im Lande de facto nichts ändert. Denn jede größere Änderung im fragilen politischen Gefüge des ökonomisch am Boden liegenden Landes beschwöre die Alternative herauf: Entweder "treten die Demonstranten den Majdan" ewig oder es kommt zum Blutvergießen und zur Machtübernahme durch die Opposition. Da die Opposition bekanntlich schwach ist, wird sie an der Macht aber scheitern.
Pastuchow übersieht jedoch, dass einige politsch relevante Ukrainer mittlerweile am Runden Tisch sitzen. Die Hoffnung, dass es nicht zum Blutvergießen kommt, etwa heute oder morgen, besteht deshalb in Gesprächen und in irgendeinem Kompromiss, der sich nach dem Ende der Demonstrationen für die künftige Politik des Landes gar nicht als richtungsweisend erweisen muss. Ein vorgetäuschter Runder Tisch könnte also die Eskalation zu vermeiden helfen. Anders gesagt: Der größte Erfolg dieser oft fälschlicherweise "Revolution" genannten Krise kann nur in deren akzeptablen Lösung bestehen.
Hoffentlich werden die Demonstranten an diesem Wochende den Runden Tisch nicht so nüchtern wahrnehmen.
Auch der Staatspräsident ist schwach. Besonders eben an den Wochenenden. Deshalb lässt er augenblicklich seine Anhänger aus dem Osten des Landes nach Kiew bringen. Mitten in der Woche hat er zwar etwas mehr Spielraum, weil während der Arbeitstage der Majdan schwach - "halbleer" - ist. Der Spielraum Janukowytschs ist jedoch selbst unter der Woche nicht allzu groß. Die Oligarchen stehen keineswegs geschlossen hinter ihm. Wir können zudem auf der Grundlage der bisherigen Entwicklungen vermuten, dass er sich seines Gewaltapparats nicht ganz sicher sein kann.
Die ganze Zeit bleibt die Ukraine ökonomisch schwach, sehr schwach. Diese andauernde Schwäche hängt damit zusammen, dass das Land mittlerweile seit gut zwei Jahrzehnten schmerzhafte Reformen hin zur modernen Marktwirtschaft hinauszögert. Stattdessen lehnt es sich ökonomisch an Russland, das sich jede ökonomische Gefälligkeit - de facto geht es um Subventionierung - politisch bezahlen lässt. Ohne Reformen bleibt so die Ukraine in der lähmenden Umarmung des unter Putin irrational-neoimperialistisch gewordenen "großen Bruders".
Das Volk der Ukraine ist schwach. Bloß Schlaue und Rücksichtslose profitieren vom ineffizienten System. Sie bedienen sich andauernd auf Kosten der nicht organisierten, passiven Mehrheit. Die Letzgenannten - die Untertanen - werden mit Resten abgespeist.
Das ukrainische Bürgertum ist schwach. Ihm bleibt folglich nur der Protest auf der Straße, um seine - durchaus vagen - politischen Wünsche nach einer EU-Integration zu äußern. Es versteht kaum, dass die Europäische Union sein Land zu reformieren außer Stande ist. Es denkt über die EU als wäre sie eine Art besseres Russland und könnte als solche der Ukraine Wohlstand und Freiheit bringen. In Wirklichkeit jedoch kann die EU nur sagen: Wir sind mit Euch, wir wollen Euch, reformiert Euch und dann kommt zu uns! Da die Ukraine freilich vom jedweden Reformkonsens sehr weit entfernt ist, erscheint diese Haltung der EU-Vertreter in der gegenwärtigen Krise etwas kühl und distanziert. Zumal viele EU-Spießer tatsächlich gegen die wirklich freundliche Maßnahme - die Öffnung der EU-Grenzen für die Ukrainer - sind.
Der kluge russische Analytiker, Wladimir Pastuchow, sagt angesichts dieser Gemengelage (http://www.polit.ru/article/2013/12/12/maydan/), die beste politische Entwicklungsvariante für die Ukraine bestünde darin, dass Janukowytsch an der Macht bleibt, d.h. dass sich im Lande de facto nichts ändert. Denn jede größere Änderung im fragilen politischen Gefüge des ökonomisch am Boden liegenden Landes beschwöre die Alternative herauf: Entweder "treten die Demonstranten den Majdan" ewig oder es kommt zum Blutvergießen und zur Machtübernahme durch die Opposition. Da die Opposition bekanntlich schwach ist, wird sie an der Macht aber scheitern.
Pastuchow übersieht jedoch, dass einige politsch relevante Ukrainer mittlerweile am Runden Tisch sitzen. Die Hoffnung, dass es nicht zum Blutvergießen kommt, etwa heute oder morgen, besteht deshalb in Gesprächen und in irgendeinem Kompromiss, der sich nach dem Ende der Demonstrationen für die künftige Politik des Landes gar nicht als richtungsweisend erweisen muss. Ein vorgetäuschter Runder Tisch könnte also die Eskalation zu vermeiden helfen. Anders gesagt: Der größte Erfolg dieser oft fälschlicherweise "Revolution" genannten Krise kann nur in deren akzeptablen Lösung bestehen.
Hoffentlich werden die Demonstranten an diesem Wochende den Runden Tisch nicht so nüchtern wahrnehmen.
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