Man soll gegen den Strom schwimmen. Mit dem Strom schwimmt der Müll. (Zbigniew Herbert)
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19.12.2015
Mein Essay für "Der Tagesspiegel" über "Populisten", "Europäer" und "europäische Solidarität" der Polen
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Zbigniew Herbert
30.11.2014
Ende des Kommunismus - ich versuche, es in der "Sächsische Zeitung" zu erklären
https://www.dropbox.com/s/okq9wek5gy69y42/Beleg-Mackow.pdf?dl=0
Mit dem Link oben kommen Sie zu meinem Artikel, den ich zum oben genannten Thema für die "Sächsische Zeitung" verfasst habe.
Mit dem Link oben kommen Sie zu meinem Artikel, den ich zum oben genannten Thema für die "Sächsische Zeitung" verfasst habe.
03.02.2013
Erolg oder Sumpf. Polen-Reihe 7: Materieller Erfolg im moralischen Sumpf
Wenn man in Sinne der eingangs gestellten Frage nun Bilanz ziehen
will, muss konstatiert werden, dass trotz aller Probleme der Innenpolitik das freie und deshalb wirtschaftlich erstarkte Polen wieder eine Brücke zwischen Ost und West geschlagen
hat. Vor dem Hintergrund dieses großartigen Erfolges scheint die Ratlosigkeit
Zbigniew Herberts über den Zustand seines Vaterlandes irrelevant. Es kommt
hinzu, dass im konkreten Fall Józef Oleksys die Staatsanwaltschaft die gegen den
ehemaligen Premierminister gerichteten Vorwürfe fallen ließ. Er hatte zwar elf
Jahre lang Kontakte zu einem KGB-Agenten gepflegt und von diesem auch Geschenke erhalten.
Verräter wäre er aber nicht gewesen.
In der westlichen Gesellschaft kann bekanntlich kein
stärkerer Beweis der Unschuld als der juristische geliefert werden, auch wenn ein solcher manchmal keiner ist. Ob jemand
satisfaktionsfähig ist, spielt hier, wo Anwälte wichtiger als Moralisten sind,
ohnehin kaum eine Rolle mehr. Deshalb konnte Oleksy nach der Jahrtausendwende
noch Innenminister und sogar stellvertretender Premierminister ausgerechnet in
der Regierung werden, unter der sich die Rywin-Affäre abspielte. Trotzdem wird
in Polen oft noch beklagt, dass seine politische Karriere durch unberechtigte
Vorwürfe „ruiniert“ worden ist.
Die Alternative – entweder moralischer Sumpf oder Erfolg – ist
offenbar falsch. Beides kann durchaus Hand in Hand gehen. Insofern scheint Polen
im Westen angekommen zu sein.
15.12.2012
Erfolg oder Sumpf? Polen-Reihe 1: Über die föderale Idee Piłsudskis, den Sumpf bzw. den großartigen Erfolg Polens.
Für die (Vor- und Nach-)Weihnachtszeit habe ich mich dazu entschlossen, hier über Polen zu schreiben. Denn es ist in den letzten Jahren für Deutschland und Europa noch wichtiger geworden als es ohnehin gewesen war. Es wird noch wichtiger werden. Darüber hinaus hatte ich vor einigen Wochen über Polen zu sprechen gehabt, so dass mir augenblicklich leicht fällt, einige Gedanken zu diesem Land zu formulieren. Die "Polen-Reihe" wird mit der Beantwortung der in diesem Post gestellten Frage beendet sein.
Ein großer polnischer Geist, der „Staatschef“ von 1918-1922, Józef Piłsudski, warb im Ersten Weltkrieg für die föderale Neuordnung von „Intermare“, wie er den Raum zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer nannte. Piłsudski wollte Polen in eine
Föderation jener Staaten einbinden, die dort auf den Trümmern gescheiterter
Imperien entstanden. Da er in seinem ukrainischen Verbündeten Symon Petlura
keinen ausreichend starken Partner zur Verwirklichung dieser Pläne gefunden hat,
sah er sich dazu gezwungen, 1921 die Ukraine zwischen Polen und dem
bolschewistischen Russland zu teilen.
Daraufhin besuchte er die im polnischen
Szczypiorno internierten ukrainischen Offiziere, die vor Kurzem noch an seiner Seite gegen die
Bolschewiki gekämpft hatten, um ihnen einen einzigen Satz zu sagen: „Ich
entschuldige mich bei Ihnen, meine Herren, ich entschuldige mich sehr“. Es war
dieses Fiasko der föderalen Idee, die Piłsudski trotz seines großartigen Sieges
über das bolschewistische Russland im Jahre 1920 zur Vorhersage hingerissen
haben mag: „Ich habe das Rad der Geschichte für 20 Jahre aufgehalten“. Die
Katastrophe des Jahres 1939 hat ihm Recht gegeben.
„Was hat sich nicht verändert/ seitdem ich die Welt betrachte/ Ist denn alle Wirklichkeit/ bloß der Vorführung entracte?/ Leben – bloß des Sterbens Weile? Jugend – Tag der grauen Haare?/ Vaterland? Sind es bloß seine tragischen Jahre?“
Wir werden niemals erfahren, welcher literarischen Gattung dieses 1882 in einem Pariser Armenhaus verstorbene Genie die polnische Wirklichkeit nach 1989 zugeordnet hätte: immer noch der Tragödie, der Komödie oder vielleicht der Farce.
Ein gegenwärtiger großer polnischer Dichter, Zbigniew Herbert, verfasste zu dieser Wirklichkeit 1995 das „Ratlosigkeit“ betitelte Gedicht. Den Anlass dazu lieferten ihm die Vorwürfe gegen den damaligen Premierminister der Republik Polen, Józef Oleksy, er hätte für das KGB und das FSB spioniert.
Herbert bekannte die Absicht, seinen postkommunistischen Premierminister „mit dem wohlwollenden Gesichts des Abts/ in einem kommerziellen Kloster“ zum Duell herauszufordern. Er verwarf diesen Gedanken jedoch. Denn
„hier nirgendwo/ gibt es gestampfte erde/ es ist schwer/ die pathetische geste/ Eugen Onegins nachzuahmen/ wenn man versinkt/ bis zu den Knien/ bis zum Hals/ im Sumpf“.
Ist Polen tatsächlich zum Sumpf verkommen? Oder stellt es in den letzten zwei Jahrzehnten – wie ausgerechnet in der Polen gegenüber oft so unfreundlichen deutschen Presse seit einigen Jahren immer wieder lautstark behauptet – das europäische Erfolgsland schlechthin dar?
Fortsetzung folgt
![]() |
| http://en.wikipedia.org/wiki/Jozef_Pilsudski |
![]() |
| http://en.wikipedia.org/wiki/Symon_Petliura |
Und dennoch hat Polen im Jahre 1989 – also sechs Jahrzehnte
nach dieser Katastrophe – seine Unabhängigkeit wieder erlangt. Nur scheinbar widerlegt
diese Tatsache die Konzeption Piłsudskis. Denn die erst zwei Jahrzehnte junge
polnische Freiheit wird durch die Realität gewordene föderale Idee geschützt –
diesmal die (gesamt?)europäische. Die Europäische Union entzieht der auf die Vernichtung
Polens abzielenden deutsch-russischen Zusammenarbeit in einem noch größeren Maße den Boden als der ursprüngliche „Intermare“-Föderalismus. Die
Mitgliedschaft Polens in der NATO kommt noch hinzu, in der es ausgerechnet Deutschland
als einen Bündnispartner vorfindet.
Die Freiheit Polens schien besonders nach dem Januar-Aufstand
1863, dem seit dem ausgehenden XVIII. Jahrhundert dritten verlorenen polnischen
Kampf um die Unabhängigkeit (die napoleonischen Kriege und den Völkerfrühling
nicht mitgerechnet) eine „romantische“ Chimäre zu sein. Damals, vor knapp 150
Jahren stellte sich der Dichter Cyprian Kamil Norwid im französischen Exil die Frage: ![]() |
| (http://en.wikipedia.org/wiki/Cyprian_Kamil_Norwid |
„Was hat sich nicht verändert/ seitdem ich die Welt betrachte/ Ist denn alle Wirklichkeit/ bloß der Vorführung entracte?/ Leben – bloß des Sterbens Weile? Jugend – Tag der grauen Haare?/ Vaterland? Sind es bloß seine tragischen Jahre?“
Wir werden niemals erfahren, welcher literarischen Gattung dieses 1882 in einem Pariser Armenhaus verstorbene Genie die polnische Wirklichkeit nach 1989 zugeordnet hätte: immer noch der Tragödie, der Komödie oder vielleicht der Farce.
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| http://en.wikipedia.org/wiki/Zbigniew_Herbert |
Ein gegenwärtiger großer polnischer Dichter, Zbigniew Herbert, verfasste zu dieser Wirklichkeit 1995 das „Ratlosigkeit“ betitelte Gedicht. Den Anlass dazu lieferten ihm die Vorwürfe gegen den damaligen Premierminister der Republik Polen, Józef Oleksy, er hätte für das KGB und das FSB spioniert.
Herbert bekannte die Absicht, seinen postkommunistischen Premierminister „mit dem wohlwollenden Gesichts des Abts/ in einem kommerziellen Kloster“ zum Duell herauszufordern. Er verwarf diesen Gedanken jedoch. Denn
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| Józef Oleksy |
„hier nirgendwo/ gibt es gestampfte erde/ es ist schwer/ die pathetische geste/ Eugen Onegins nachzuahmen/ wenn man versinkt/ bis zu den Knien/ bis zum Hals/ im Sumpf“.
Ist Polen tatsächlich zum Sumpf verkommen? Oder stellt es in den letzten zwei Jahrzehnten – wie ausgerechnet in der Polen gegenüber oft so unfreundlichen deutschen Presse seit einigen Jahren immer wieder lautstark behauptet – das europäische Erfolgsland schlechthin dar?
Fortsetzung folgt
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