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09.02.2021

Der Mann für Geschichtsbücher

 

Gestern habe ich telefoniert mit einem Freund, einem Universitätsprofessor aus Polen. Ein lieber, fleißiger und in seinem Beruf wirklich guter Mann, gehört er politisch jenen Polen an, die anschaulich demonstrieren, was aus der polnischen inteligencja nach dem Kommunismus werden kann, wenn sie Adam Michnik und seinem Hetzblatt „Wyborcza“ und den verlogenen amerikanischen sowie deutschen Medien schutzlos ausgeliefert wird. Gestern hat er mich etwa darüber belehrt, dass Jarosław Kaczyński, der für seine judenfreundliche Haltung bekannt ist, dazu taugen würde, Holocaust durchzuführen. Wenn ich bei polnischen Freunden und Bekannten solchen Schaden durch die besagten Medien vernehme, reagiere ich mit: "Du hast kein Gehirn" und gehe resigniert zum nächsten Thema über. Normalerweise werde ich dann wieder mit Stuss konfrontiert. Gestern hat sich aber diese Taktik wider Erwarten gelohnt.

Denn im Gespräch über aktuelle Vorgänge erwähnte mein Freund beiläufig einen Artikel der FAZ über Jarosław Gowin, einen Politiker, der im April-Mai 2020 dafür gesorgt hatte, dass  die letzten Präsidentschaftswahlen in Polen nicht als Briefwahlen und nicht zu dem von der Verfassung vorgeschriebenen Termin stattfanden. Die FAZ soll, so mein Freund, Gowin im vergangenen Jahr den "Mann für Geschichtsbücher" genannt haben.

Ich wollte es nicht glauben, weil ich ungerne meine lieb gewonnenen Vorstellungen revidiere: Die FAZ sei zwar opportunistisch, steif und oft nicht gerade gescheit (da gibt es zum Beispiel einen alten Mann, der schreibt, dass Angela Merkel auch nach Herbst d.J. weiterregieren sollte), aber all das hielte sich noch in Grenzen, etwa verglichen mit der „Süddeutschen“ oder der „Handelsblatt“. Und Gowin sei doch bisher in der Politik ausschließlich durch sein ungebändigtes Ego aufgefallen. Gowin wolle doch nur Premierminister werden, obwohl seine politische Gruppierung im polnischen Sejm so, wenn ich mich richtig erinnere,  zwei Dutzend Abgeordnete von 460 hat. Zuständig für kleine Gerichtsreform unter der Tusk-Regierung und zuständig für Hochschulreform unter der Kaczyński-Regierung hat er immer dafür sorgen können, dass er sichtbar wurde. In der Sache getan hat er nichts.

Jetzt habe ich gegoogelt und es stimmt... Der Korrespondent  der FAZ hat in Gowin tatsächlich den Mann der Vorsehung erkannt. Lesen Sie unten. 

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/polen-jaroslaw-gowin-ein-mann-fuer-die-geschichtsbuecher-16762491.html

Aha... noch zum Schluss. Jarosław Gowin hat aktuell politische Probleme. Es hat sich herausgestellt, dass er seit 2015 kein Mandat als Vorsitzender seiner "Partei" "Verständigung" (nebenbei: guter Name, einfallsreich) hat. Beim "Kongress" seiner "Partei" im Jahre 2015 hat man nämlich... vergessen, den Vorsitzenden zu wählen.

Der Journalist und der Parteivorsitzende sollten zusammen Bier trinken gehen, oder?

 

 

19.06.2019

Deutsche Polen-Journalisten

Die ARD mit ihren politisch einseitigen Korrespondenten aus Warschau hat das polnische Fernsehen dafür kritisiert, es habe am 3. Mai (der polnische Nationalfeiertag) die Defilade in Warschau übertragen statt der Rede von Donald Tusk, der zeitgleich in der polnischen Hauptstadt gegen die Regierung wettete.
Ein PiS-Abgeordneter im EU-Parlament, Prof. Ryszard Legutko stellte dazu fest: "Wenn sie (von der ARD) etwas Selbstreflexion gehabt hätten, dann wüssten sie, dass ihr Land, wie Frankreich, ein Beispiel der Medienunfreiheit ist. Die Mainstream-Medien sprechen nicht nur mit einer Stimme, der Stimme der Regierenden. Dort gibt es keinen Platz für Andersdenkende... Es gibt in Deutschland eine starke kollektivistische Tradition, die gab es immer. Es ärgert sie, wenn etwas anders ist."
Indirekt hat Wolfgang Schäuble den Korrespondenten der deutschen Medien in Polen (Konrad Schuler, Reinhard Vettel, Gerhard Gnauck, irgendwelche Frauen von der ARD, die mit Rosa von Thun befreundet sind, und andere, die in der polnischen Regierung, die sie leider nicht wählen durften, eine Bedrohung der Demokratie sehen) in einem Interview für die "Rzeczpospolita" (Mai d.J.) einen Ratschlag erteilt:
Frage ("Rzeczpospolita"): Haben Sie Angst über die Zukunft der polnischen Demokratie? Schäuble: Ich bin ein Deutscher. Ich kenne die Geschichte. Vor diesem Hintergrund bin ich der Meinung, dass wir uns auf die Stabilität der deutschen Demokratie konzentrieren sollen. Die Polen brauchen keinen deutschen Lehrer, damit Polen eine freie Demokratie bleibt. Wir vergessen nicht, dass die deutsche Wiedervereinigung in Polen, in Danzig, mit der Solidarität begonnen hat.
Vier Jahre mit der PiS-Regierung in Polen mussten vergehen, bis ein bekannter deutscher Politiker gesagt hat, dass die Deutschen keine Oberlehrer für die Polen abgeben sollen.
Es ist erst der Anfang des deutschen Lernprozesses auf diesem Feld. Es wird noch lange dauern, bis sich Deutschland daran gewöhnt, dass Polen das Recht hat, Regierungen zu wählen, die deutsche Vorstellungen von einer besseren Welt nicht teilen (oder sich über diese unter vorgehaltener Hand lustig machen), Nordstream laut einen gierig-chauvinistischen Deal auf Kosten anderer und der EU nennen, innenpolitische Reformen durchführen, ohne dabei die Meinung der in den polnischen Fragen ahnungslosen oder politisch voreingenommenen Deutschen zu beachten, Demonstrationen zu Nationalfeiertagen so abhalten, wie es ihnen gefällt, eigene Asyl- und Migrationspolitik machen, über polnische Verluste im Krieg laut sprechen, mit amerikanischen Präsidenten Geschäfte machen usw.
Sollte der deutsche Lernprozess auf dem Feld der Polen-Politik irgendwann doch erfolgreich und beendet sein, werden die Polen, politisch schrecklich ... unklug wie sie sein können, wahrscheinlich sehr schnell vergessen, wie lange er gedauert hat. So wie sie binnen einiger Monate vergessen konnten, wie schäbig sich viele deutsche Politiker gegenüber dem polnischen Kampf gegen den Kommunismus verhalten hatten. Und dann wundern sich die Polen heute darüber, dass die Bundesrepublik in Bezug auf die Ukraine die gleiche schäbige Haltung an den Tag legt.