Das Spießertum - die Unfähigkeit zum freien Denken, verbunden mit politischer Untertätigkeit - bleibt das ewige, selbstverständlich nicht nur im "Kaiserreich" und der ebenso gescheiterten Weimerer Republik, sondern auch "im besten Deutschland aller Zeiten" (der Bundesrepublik) praktizierte Charakteristikum des deutschen Bürgers, ob "links", "zentristisch" (heute angeblich "liberal"), oder "rechts". In den stabilen Zeiten eines passablen politischen und gesellschaftlichen Systems hat es eine positive Wirkung, wenngleich es selbstverständlich intellektuell bemitleidenswert bleibt.
In Umbruchszeiten wie heute bleibt nur das Bemitleidenswerte. Das Spierßertum erwiest sich nicht nur als wertlos, sondern darüber hinaus auch als selbstzerstörerisch, ohne dass es in das freie Denken und die Kritikfähigkeit übergeht. Es macht also das der Situation angemessene Handeln unmöglich, ob es darum geht, eine gute Regierung zu unterstützen oder gegen eine schlechte auf die Straße zu gehen.