Der polnische Präsident hat dem Präsidenten Zelensky den Orden des Weißen Adlers aberkannt, nachdem der Ukrainer seine Entscheidung, einer ukrainischen militärischen Eliteeinheit den Namen "Helden der UPA" zu erteilen, nicht revidiert hatte. Es ist ein wichtiger symbolischer Schritt von Karol Nawrocki, der aber an der Realität wenig ändert. In die polnisch-ukrainischen Beziehungen ist zwar die Wahrheit laut zurückgekehrt. Damit ist aber bloß das sichtbar geworden, was aufmerksame Beobachter ohnehin wussten.
1) Die Polen können auf ukrainische Lügen nicht länger ein Auge zudrücken. In der Angelegenheit, dass die UPA 1943-44 in etwa 100 000 Polen in Wolhynien und Galizien bestialisch umgebracht hat, handelt die postsowjetische Ukraine ähnlich wie das postsowjetische Russland in der Angelegenheit von Katyn.
2) Mit Nawrockis Entscheidung verlieren die Polen nichts, denn
a) sie haben von der Ukraine nichts Konkretes für sich selbst erhalten (etwa keine Zusammenarbeit bei Drohnen-Produktion, für die die Ukraine Deutschland und Dänemark gewählt hat);
b) die Ukraine muss sich sowieso verteidigen, sodass Polen – das lediglich Geld für Rüstung ausgeben muss – in einer besseren Position ist;
c) Polen bleibt für die Ukraine wichtig und es wird sie weiterhin unterstützen, aber nun wird die Ukraine um Hilfe bitten müssen.
d) der Westen Europas wird sich in diesem Streit auf die Seite Polens schlagen, sobald er von Wolhynien-Massaker erfährt (darüber wird bereits geschrieben, um den Kern des Konflikts zu erläutern). Es kommt hinzu, dass der Westen die Ukraine in der EU nicht haben will;
e) die Ukrainer setzen ihren Irrlauf fort, indem ihre Politiker die Orden, die sie in Polen erhalten haben, zurückschicken. Zelensky hat es übrigens getan, und zwar mit der sowjetisch anmutenden Bissigkeit über Gestalten, die ihn früher erhalten hatten. Als Zelensky 2023 den Orden entgegennahm, störte ihn allerdings die Tatsache nicht, dass Katherina die Große, Mussolini und Schröder diesen auch bekommen hatten. Vielleicht verstand er damals etwas mehr von Geschichte?
3) Es ist anzunehmen, dass die ukrainische Seite wahrscheinlich die Beerdigungen der polnischen Opfer des Wolhynien-Massakers verbieten oder erschweren wird. Diese Verbote und Erschwernisse gibt es aber von jeher, die Arbeiten kommen seit Jahrzehnten kaum voran. Auch das werden die westlichen Medien nun erfahren. Ergo: Warschau verliert kaum etwas, während die Ukraine ihren Ruf.
4) Der „sowjetische“ Charakter der ukrainischen Elite offenbart sich vor allem darin, dass sie die anti-ukrainischen Ressentiments ignoriert, die sie in Polen schürt. In Polen leben aber ca. 1,5 Mio. Ukrainer... Eine solche Geringschätzung der eigenen Nation ist ein Kennzeichen des Sowjetismus (das Phänomen ist in Polen bekannt – etwa bei Tuskus Partei–, jedoch nicht so verbreitet wie in den postsowjetischen Ländern).
Die Polen haben ein bisschen Politik gelernt. Das wird ein reinigendes Gewitter sein. Das Gelabere von Versöhnung weicht den harten politischen Tatsachen. Zu denen gehört: Ohne Wahrheit sind keine guten Beziehungen zwischen Nachbarn möglich.